Page 24 - Volksdorfer Zeitung VZ 38 Sommer 2019
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 Eine tiefe Verbunden-
heit zu Pferden entwi- ckelte Manfred Rühmann be- reits in jungen Jahren. Sein Va- ter war auf dem elterlichen Hof mit prächtigen Tieren, die der Großvater hielt, aufgewach- sen. Nun, Anfang 1966, besuch- te sein Vater regelmäßig mit Sohn Manfred die Reitschule in Volksdorf, die Käthe Beyer- haus dort 1950 (mit einem ein- zigen Pferd, der Holsteiner Stu- te „Tosca“) begründet hatte. Mit Ausdauer, Fleiß und Kön- nen hatte sie in den Folgejahren ihre Schule zu einem renom- mierten Lehrbetrieb ausgebaut.
Die Tiere, der Geruch, die Wesensart der Vierbeiner, in dieser Umgebung fühlte der Junge sich sofort wohl. Mit zwölf Jahren erhielt der Schü- ler bei Käthe Beyerhaus Reitun- terricht. Schnell merkte er, wie- viel ihm die Pferde bedeuteten und dass sie sein künftiges Le- ben prägen würden. Zwar ließ sich Manfred Rühmann nach seiner Schulzeit zunächst als Kaufmann ausbilden, aber das
Pferde-Virus ließ ihn nicht los. Schon 1970 erteilte der 17jähri- ge (noch nebenbei) selbst Reit- unterricht und legte alle erfor- derlichen Prüfungen ab. 1977, nach vierjährigem Wehrdienst bei der Marine, stellte Käthe Beyerhaus ihn fest ein. Das Ver- trauensverhältnis zu seiner Chefin war eng und so ergab es sich, dass er vier Jahre später, als ausgebildeter Pferdewirt, die Reitschule und das Anwe- sen von ihr übernehmen durfte. Eine große (und keineswegs ri- sikolose) Aufgabe für einen jun- gen Mann von 28 Jahren. Der Übergang verlief ausgespro- chen harmonisch. Käthe Bey- erhaus zog sich behutsam und gleitend zurück, sie wusste ihr Lebenswerk in guten Händen.
„Damals“, so erinnert sich Manfred Rühmann, „waren vie- le Reitanfänger vollkommen unsicher im Umgang mit Pfer- den“. Er war überzeugt, dass eine Kombination von „ah- nungslosen Anfängern und hochgezüchteten Warmblü- tern“ keine gute Lösung sein
konnte. Zwölfjährige waren ja oft schon so groß, dass Ponys nicht in Frage kamen. So such- te und entdeckte er Jahre spä- ter eine Rasse, die seinen Vor- stellungen entsprach: das „Frei- berger Pferd“. Die Anschaffung der Tiere war sehr kostspie- lig, doch: „Das war eine meiner besten beruflichen Entschei- dungen. Meine Fribis waren ein großes Plus.
Wir wünschen
dem „Privatier“ Manfred Rühmann und seiner Familie alles erdenklich Gute. Sein Wirken hat unser Volksdorf und das Leben vieler Menschen in besonderem Maße geprägt. DANKE!
Jeden Neuling im Stall begrüß- ten sie freundlich und interes- siert. Sie reagierten auch nicht gleich genervt, wenn Anfänger im Sattel Fehler machten.“
Wieviel junge Menschen bei Manfred Rühmann das Rei- ten erlernt haben, das weiß er nicht, es waren Hunderte – eher Tausende. In all den Jah- ren gab es Ferienkurse, großar- tige Reiterfeste, Ausritte, Kut- schenfahrten und vieles mehr. „Rühmann und seine Freiber- ger“ waren weit über die Orts- grenzen geschätzt und bewun- dert. Doch, alles hat seine Zeit. „In den letzten Jahren wur- de mir klar, dass ich die Reit- schule nicht ewig weiterfüh- ren kann. Die Jahre sind auch an mir nicht spurlos vorbeige- gangen“. Seine drei Töchter sind große Pferdeliebhaberin- nen, doch sie haben auch all- täglich erfahren, wieviel Arbeit und Einschränkungen die Füh- rung eines solchen Unterneh- mens erfordert. „Morgens um fünf stehe ich auf“ sagt der Chef „gehe in die Ställe, schaue, wie es meinen Pferden geht. Ich füt- tere sie selbst.“ Es ist verständ- lich, dass die Töchter den elter- lichen Betrieb nicht weiterfüh- ren möchten.
Alles hat seine Zeit
Reitschule Rühmann verabschiedet sich
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