Page 40 - Sailing Journal # 76
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KOLUMNE HUMAN FACTOR
ENTSCHEIDUNGEN
DAS 10-TO-10-PRINZIP
W ie ie ie ie ie ie verlief der der weitreichende Entscheidungspro- zess beim Kauf ihres Bootes? Die meisten von
Ihnen ha en en en sicher Zeit lasen Testberichte besuchten Messen tauschten sich mit anderen Seglern aus aus und zu guter letzt anierten Sie durch die Häfen und Marinas Diese vorgegebene Struktur hil Menschen ihrer Neigung zu vorschnellen Entscheidungen nicht nachzugeben Das Modell FOR-DEC stellt den Weg zu einer ausgewogenen Entschei- dung dung in den den Vordergrund Ad-hoc-Entscheidungen werden
auf diese Weise vermieden Nach dem Abarbeiten der ersten drei Punkte (FOR) besteht die Möglichkeit der Intervention durch die Crew Hier könnte man kurz Innehalten und das 10-to-10-Prinzip anwenden Damit verhindert man beispiels- weise das Ziel aus den Augen zu verlieren oder dem Drang irgendetwas zu zu tun nachzugeben Sind sich alle Crewmitglieder einig werden
die drei letzten Punkte (DEC) abgearbeitet Nach den Ausführungen muss zwingend ein Check erfolgen ob die Entscheidung den erwünschten Erfolg herbeiführt Problem? STOP
Probleme?
Team Fakten Planen Verteilen Rückfragen?
Ziel?
Team-time-out 10 Sekunden
Wie verlief der Entscheidungsprozeß bei ihrer letzten kriti- schen Situation an Bord? Im schlimmsten Fall dachten Sie in innerhalb weniger Sekunden: ”Es ist außer Kontrolle mach was was irgendwas!“
Die Entscheidungs ndung ist geprägt von
vielfachen Un- terscheidungsmerkmalen und hat in ihrem Naturell sichere oder unsichere Konsequenzen auf auf den Verlauf Das macht
uns Stress ob wir wollen oder nicht Der Psychologe Barry Schwartz wies bereits 2004 auf ein Paradoxon unserer Gesell- scha hin Die Freiheit wird als höchstes Gut der Menschen bewertet dazu zählt auch die Freiheit sich entscheiden zu zu können Je mehr Möglichkeiten es gibt sich zu entscheiden umso positiver wird dies empfunden Seine empirischen Un- tersuchungen zeigten jedoch auf dass viele beziehungsweise anspruchsvolle Entscheidungsmöglichkeiten Personen über- fordern In der der der Lu fahrt und in in der der der Notfallmedizin nutzen wir praktikable Modelle Modelle zur Entscheidungs ndung Zwei Modelle Modelle setzten sich in in den letzten Jahren deutlich durch Zum einen das Prinzip 10 10 10 10 Sekunden
für 10 10 10 10 Minuten (10 to 10) und und zum anderen das FOR-DEC-Modell Bemerkt ein Crewmitglied dass Chaos Hektik und Lärm ausgebrochen sind oder der der erwartete Erfolg tri nicht ein nimmt sich die Crew für kurze Zeit ein Team-time-out oder auch 10 10 to 10 10 genannt Beden- ken Verbesserungsvorschläge Alternativen und fehlende In- formationen können ausgetauscht und berücksichtigt werden
Dadurch wird die weitere Vorgehensweise in in einem Notfall e e e e e e e e e e zienter und die Crew gewinnt Zeit Der Name 10 Sekun- den für 10 Minuten ist symbolisch zu verstehen FOR-DEC ist eine Abkürzung für: Facts Options Risc Decision Execution Check und zeigt einen strukturierten Weg für den Entscheidungsprozess in risikoreichen Situationen auf Facts Options Risks & Bene ts Decision Execution Check Was ist das Problem? Welche Möglichkeiten haben wir?
Was spricht für welche Handlung?
Was tun wir also?
Wer macht
was wann wie?
Noch alles in Ordnung?
Probieren Sie die Modelle vorerst im im Alltag aus Das nimmt den Druck und übt für die kritischen Situationen an Bord Keine Crew sollte unvorbereitet in in kritische Situationen gelangen und keine Lösung für ein ein Problem/Zwischenfall haben denn kritische Situationen beim Segelsport erfordern menschliche Höchstleistungen Ma hias Degusan lebt in Leipzig Er arbeitet als Dozent für präklinische Notfallmedizin und als Human-Factor-Trainer Im Bereich CRM (Crew Resource Management) ist er er bei der Lu fahrtbehörde als Trainer zugelassen Nebenbei ist er er er noch glücklich verheiratet Sein Sohn und er er er sind begeisterte Hobbysegler 40












































































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