Page 5 - Volksdorfer Zeitung VZ81 März 2025
P. 5
En MYALGISCHE ENZEPHALOMYELITIS
Junge erkrankte Volksdorferin
sammelt Spenden für Forschung
di vorbei, aber du bist noch
da. So geht es mir, 17 Jahre alt,
oh es Deutschland, die an der Myalgi-
schen Enzephalomyelitis (kurz
ME) erkrankt sind (Kassenärzt-
liche Bundesvereinigung, Stand
2023).
ME ist eine schwere neuroim-
munologische Erkrankung, die
oft zu einem hohen Grad kör-
perlicher Behinderung führt
und das Leben der Betroffenen
sehr stark einschränkt. 75% sind
d
a Betroffenen können das Haus/
Bett nicht verlassen.
Die Symptome reichen von
körperlichen Einschränkun-
gen, kognitiven Problemen (sog.
Brain Fog) über starke Schmer-
zen, starker Fatigue bis hin zu
völliger Bettlägerigkeit mit teil-
weise extremer Reizempfind-
lichkeit (die verdunkelte, lei-
se Räume notwendig machen).
Im schlimmsten Fall verläuft die
Krankheit tödlich.
Charakteristisch für die Krank-
r-
tionelle Malaise (PEM). Dabei
verschlechtern sich die Symp-
tome, wenn Betroffene über die
eigene Belastungsgrenze hinaus-
gehen. Die Belastungsgrenzen
sind je nach Schweregrad unter-
schiedlich. Für Schwerstbetrof-
fene kann bereits das Umdre-
hen im Bett oder eine geflüsterte
Frage eine Überlastung sein und
PEM (bzw. einen Crash) aus-
lösen. Die folgende Symptom-
verschlechterung kann Tage,
Wochen oder Monate anhalten
oder gar dauerhaft sein.
Ein Virusinfekt ändert
mein Leben dramatisch
Ich bin im Herbst 2021, mit da-
mals 14 Jahren, nach einer Vi-
rusinfektion daran erkrankt. Um
sich mein Leben mit ME besser
vorstellen zu können, möchte
ich meinen aktuellen Tagesab-
lauf darstellen:
9:3 ich wache völlig entkräftet auf.
Das bin ich gewöhnt, einen er-
ich lange nicht. In meinem Zimmer
ist es dunkel und still und das
, w die Reize so gering wie möglich
zu halten. Um 10 Uhr wird mir
leise das Frühstück gebracht,
was ich langsam esse. Kurz nach
11 Uhr werde ich ins Bad gefah-
ren, schnell das Nötigste, dann
außer Atem zurück ins Bett. Es
s
s geschoben werde und nur ein
t i Bett verbringe, aber es raubt mir
afm afm -
t Keine Bewegungen. Keine Ge-
danken. Nichts. Das einzige,
was ich machen kann, um halb-
wegs gut durch den Tag zu kom-
men. Starke Schmerzen rasen
durch meinen Körper. Vor allem
n-
den Kopfschmerzen machen mir
zu schaffen. Am liebsten wür-
de ich jetzt weinen, schreien,
irgendwas – doch es ist zu an-
strengend... ich muss mich ent-
spannen, irgendwie.
Die letzten drei Stunden sind
vergangen. Mal den Kopf dre-
hen, ein, zwei Sätze sagen, ein
bisschen den Atem zählen, ab
-
t (mein Tor zur Welt), da liegen
-
t ag muss auf diverse Unverträglich-
keiten geachtet werden. 15:00
Ich habe Post bekommen! Kar-
und -
t eg sch anderen ins Tagebuch, ich lese
-
t habe die Zeit vergessen, auch
M n
w waren, die lähmende Fatigue
-
t Pause. Es ist unglaublich schwer,
immer auf meine Grenze zu ach-
ten, besonders wenn sie so nied-
-
ri -
t möchte. Es ist etwas nach 16:00
-
t Langsam erhole ich mich auch
von vorhin, die Symptome wer-
den weniger. Nach dem Essen
mache ich wieder Pause. Ein
kleines Licht, versteckt unter
meinem Schreibtisch wird an-
gemacht. Mehr Licht vertrage
ich nicht. Um 18:30 Uhr gibt
es Abendessen. 19:00 Uhr: Zeit
fürs Waschen, im Bett
Am Abend ist mein Energie-
Level am höchsten. Nun kann
ich e Schreiben dieses Textes. Ab 20
Uhr beginnt die Abendrouti-
-
t se machen, damit meine Ener-
gie gleich fürs Bad reicht. Um 21
Uhr geht es nochmal ins Bad, ich
nehme Melatonin zum Einschla-
pr -
t biere ich zu schlafen.
Lange bekannt, aber immer
noch wenig erforscht
-
fo forscht, obwohl es diese Krank-
ge gibt O a logische Erkrankung eingestuft
-
t nd Betroffene gibt. Deshalb möchte
ich Geld für die Forschung sam-
meln! Das gesammelte Geld wer-
-
d -
de Research Foundation überge-
ben. Die Foundation, die 2022
in Hamburg von Angehörigen
gegründet wurde, fördert die
biomedizinische Forschung mit
Schwerpunkt auf Grundlagen-
-
t pieforschung in Deutschland.
Hier ein Ausschnitt aus ihrer
-
t age fördern die effektive Erfor-
schung von ME/CFS. Denn ME/
CFS Betroffene werden bisher
-
t lässigt – auch in Deutschland.
Dabei ist ME/CFS ein häufiges,
komplexes, medizinisches Pro-
blem, dessen Relevanz in Folge
der Pandemie („Long-COVID“)
weiterhin stark zunimmt. Bio-
medizinische Forschung schafft
-
t -
t -
t eines Tages hoffentlich auch
ursächliche Therapien dieser
schrecklichen Krankheit. Damit
e
6 7
Volksdorfer e
6 7
Volksdorfer 6 7
81 | März 81 | März