Page 16 - Der Bauer schlägt Duchamp [1
P. 16
Marcel Duchamp, dessen beste historische Elo-Zahl bei 2455 im Jahre 1929 lag, spielte auch
gegen andere große Gegner wie Edgar Colle, Géza Maróczy, Jacques Mieses und André
Lilienthal.
Sein letztes wichtiges Turnier mit der französischen Auswahl war die Schacholympiade 1933
in Folkstone. Danach zog er sich nach und nach vom Turnierschach zurück und spielte
vorzugsweise auf privater Ebene. Allerdings gewann er Mitte der 1930er-Jahre die erste
Internationale Olympiade im Fernschach. Sein Freund Jules Roché erinnerte sich an das Bild
mit Pfeife, tief im Sessel sitzend, vertieft in vier Fernschachpartien und die Züge auf vier
grossen Schachbrettern lösend, die er an der Wand befestigt hatte.
Als man ihn einmal bat, das Schach zu definieren, formulierte er wie folgt:
„Es ist ein heftiger Sport, der seine künstlerichen Beziehungen schmälert.
Wenn ich das Schach in einem Wort zusammen fassen soll, dann ist es für mich ‘Kampf’.”
Seine letzte Schachperformance, die er Reunion titelte, veranstaltete Marcel Duchamp am 5.
März 1968 in Toronto zusammen mit John Cage. Dabei spielten die beiden eine Schachpartie,
bei der durch Sensoren im Schachbrett Tonfolgen ausgelöst wurden...
************
Ein Foto von der ewigen Ruhestätte der Familie Duchamp in Rouen.
[Reaktionelle Bearbeitung: Frank Mayer, Barcelona]

