Page 196 - Soziale Beziehungen, unter die Lupe genommen! 2019
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sche Frage der Mutterschaft neu zu hinterfragen und zu
klären.
Aufgeschobene Elternschaft
In der Vergangenheit waren verlässliche Verhütungsmit-
tel nicht immer ohne weiteres verfügbar; so führten se-
xuelle Beziehungen häufiger zu Schwangerschaft und
Geburt. In den Industrieländern sind Mittel zur Schwan-
gerschaftsverhütung mittlerweile so leicht zugänglich,
dass man selbst bestimmen kann, wann oder ob man
Kinder möchte.
Immer mehr Paare verschieben die Elternschaft auf
einen späteren Zeitpunkt in ihrem Leben, einerseits weil
sie mehr Wert auf Karriere und finanzielle Sicherheit
legen, andererseits weil sie mehr Freizeit genießen
möchten. Darüber hinaus geht man generell davon aus,
länger gesund zu bleiben. In den späten 90er Jahren
zeigte sich bei verheirateten Paaren folgendes Bild: Bei
mehr als 50 Prozent aller Geburten waren die Mütter 30
oder älter, im Vergleich dazu waren es 1981 nur 28 Pro-
zent. Auch unverheiratete Paare bekommen ihre Kinder
später, meist aber immer noch Anfang 20.
Die Großfamilie
In einer Großfamilie leben auch Verwandte, z. B.
Großeltern, Onkel und Tanten, Vettern und Kusinen,
unter demselben Dach. Diese Familienstruktur ist in vie-
len Gesellschaften der Welt vorherrschend und auch in
Europa nicht unüblich (etwa zehn Prozent). In manchen
Ländern und Regionen stellt die Großfamilie einen
wichtigen Teil des religiösen und kulturellen Lebens dar.
In anderen beruht der enge Kontakt zu Verwandten
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