Page 33 - Sailing Journal # 76
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STEVE McCURRY IM INTERVIEW
Können Sie uns von Ihrer ersten Reise nach Afghanistan erzählen? Nun meine erste Begegnung mit dem Land fand 1979 sta als ich in in in Pakistan ein paar Flüchtlinge traf die dort lebten weil ihre Dörfer bombardiert worden waren Ich dachte nicht wirklich daran selbst nach Afghanistan zu reisen doch als sie mir
erst einmal geschildert ha en was dort vor sich ging und mich einluden es mit eigenen Augen zu sehen entschloss ich ich mich ihr Angebot anzunehmen und mir
selbst ein paar Wochen lang vor Ort ein Bild von der Lage zu machen Was ich dort sah war schockierend Ein Dorf nach dem anderen war bombardiert und zerstört worden Die Dörfer waren völlig menschenleer und es schien so als habe man systematisch versucht diese Menschen ins benachbarte Pakistan zu vertreiben Und der Grenzübertri war wohl ziemlich dramatisch? Das stimmt Ich kannte diese Leute mit denen ich ich nach Afghanistan ging nicht wirklich Sie waren alle bewa net wir wir gingen
in in in ein ein Krisengebiet und ich reiste ohne meinen Reisepass Wir liefen buchstäblich einfach über die Grenze Es gab weder Kommunikation noch Straßen auch keinen Strom und es war eine eine ziemlich grauenvolle Erfahrung Ich fragte mich wirklich ob ich ich jemals wiederkommen würde Zu diesem Zeitpunkt berichtete also niemand über die Lage in Afghanistan? Es gab sehr wenige Fotografen oder Journalisten die dieses ema behandelten Afghanistan liegt sowieso irgendwie am ”Arsch der Welt“ und die die Kämpfe fanden in diesem abseits gelegenen Bergland sta daher war es wirklich nichts was die Aufmerksamkeit der Weltö entlichkeit erregte bis sich dann später im gleichen Jahr die Sowjetunion entschloss mit Tausenden von Soldaten in in Afghanistan einzumarschieren Können Sie uns ein wenig davon erzählen wie Sie sich anfangs in dem Gelände zurechtfanden? Wie bewegten Sie sich im Land und trafen die die Menschen die die sie porträtierten? Nun ich wurde auf jeder dieser Reisen nach Afghanistan stets von einer Gruppe Mudschaheddin begleitet die die mir
halfen die die Landschaft zu durchqueren und mich mit Kost und Logis versorgten Sie schrieben mir
nicht vor was was ich ich fotografierte und was was ich ich sah aber ich ich musste wirklich bei dieser Gruppe bleiben sonst wäre ich ich auf mich allein gestellt gewesen da ich ich die Sprache nicht beherrschte Mehr als einmal hielt man mich für einen russischen Spion und das war eine sehr unangenehme Situation daher musste ich stets mit jemandem zusammen sein der mir
helfen konnte sonst Es gab gab keine Karten es gab gab kein kein GPS man hätte sich sehr leicht verirren können Kristallisierte sich ein klares Bild dessen heraus was Sie nden wollten – Dörfer das Land oder die Städte? Ich war an an Orten wie Dschellalabad interessiert an Gebieten die umkämp waren wo Flüchtlinge aus dem Land strömten wo Dörfer noch bombardiert wurden Ich war mehr am menschlichen
Aspekt der Geschichte interessiert als an den eigentlichen Kamp andlungen Es gab – noch einmal – diesen systematischen Versuch all die die Dörfer zu bombardieren damit es keine lokale Unterstützung für die Kämpfer gab Die Sowjets glaubten sie könnten das afghanische Volk
bis zur Unterwerfung zermürben Tagsüber
gab es einen stetigen Strom von Flüchtlingen aus Afghanistan und nachts in der Gegenrichtung Lieferungen von Wa en en und Munition aus Pakistan: Tausende von Kamelen Eseln und Pferden waren mit Raketen und Kriegsausrüstung beladen Das war eine ziemlich aufwändige Operation Ich glaube das US-Militär gab drei Milliarden Dollar aus um die Mudschaheddin zu unterstützen Erzählen Sie uns mehr über die Topogra e e e e e e des des Landes Die ganze Landscha insbesondere im östlichen Teil mit dem Hindukusch ist sehr gebirgig sehr dramatisch mit Dörfern die sich in die die Täler schmiegen Es erinnert mich an die die Rocky Mountains oder oder Colorado oder oder Arizona – wirklich außergewöhnlich und schön 























































































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