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10 • VP BANK
REGULIERUNGEN
EIN REINES ÜBEL?
Noch immer beschäftigen uns die Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Intermediäre und Banken spüren den regulatorischen Druck täglich – und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie soll man damit umgehen?
Autor: Tobias Wehrli, Leiter Intermediaries der VP Bank Gruppe
Rund zehn Jahre ist es her. Anfang 2007 meldete die international agierende Bank HSBC unerwartet sub- stanzielle Verluste auf US-Hypothekarpapieren. Was als unscheinbare Meldung begann, war der Auftakt zur grössten Konjunkturkrise seit der Grossen De- pression. Seit dem Beinah-Zusammenbruch des Fi- nanzsystems verfolgen Regulierungsbehörden rund um den Globus das Ziel, das Bankensystem grundle- gend umzustrukturieren.
Entsprechend ziehen die Aufsichtsbehörden ihre Regulie- rungsschrauben konstant fester. Dies erfolgt in der festen Überzeugung, ursächliche Fehler zielgerichtet korrigieren zu können. Treten neue Systemschwächen zu Tage, ver- sucht man diese mit wiederum neuen Regulierungen zu kompensieren.
Dass grundsätzlich Handlungsbedarf bestand, stellt in Anbetracht der Vergangenheit wohl kaum ein Marktteil- nehmer in Frage. Betreffend Ausmass der notwendigen Regulierungen, also der Regulierungsdichte, sowie Umset- zungstempo klaffen die Meinungen – verständlicherweise – weit auseinander. Fakt ist: Alle Finanzdienstleister sitzen diesbezüglich im gleichen Boot. Fakt ist auch, dass die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen mit hohen Kosten und personellen Ressourcen verbunden ist. Die Fi- nanzdienstleister begegnen diesen Herausforderungen mit unterschiedlichen Antworten, denn die Themen sind oft äusserst komplex.
Nicht nur auf der Tagesagenda
Ein Weg, um die zahlreichen Regulierungshürden zu über- winden, bestenfalls sogar noch Vorteile für das eigene Unternehmen aus dieser Situation zu erzielen, besteht darin, Regulierung als Teil der Strategie zu verstehen. Mit der richtigen Vorgehensweise können Finanzdienstleister den Implementierungsprozess neuer Vorschriften nutzen, um ihre Strategie zu optimieren und noch besser auf die Sicherung einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung aus- zurichten. Dies erfordert allerdings eine tiefe Kenntnis der wirtschaftlichen, sozialen und strategischen Auswirkun- gen der Regulierung, ein ebenso profundes Verständnis der wichtigsten Anspruchsgruppen und einen organisato- rischen Ansatz, der die Regulierung auf die Agenda des CEO und seines Führungsteams setzt. Bereits jetzt steht fest: Nicht alle Firmen werden diesen Wechsel in den kom- menden Jahren erfolgreich meistern.
Umfangreiches Know-How als Voraussetzung
Die regulatorischen Vorschriften haben unweigerlich eine nachhaltige Auswirkung auf das Geschäft der Banken und Intermediäre. War früher im Rahmen der klassischen An- lageberatung das Wissen über Investmentklassen oder einzelne Titel gefragt, kommen heute zunehmend inter- nationale regulatorische Themen dazu. Entsprechend umfangreich und regelmässig müssen die Schulungen der Kundenberater sein. Die Kunden der VP Bank werden aber auch gezielt von Spezialisten beraten, die umfangrei-























































































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