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Reberziehung, wesentliche Arbeitserleichterung und den Einsatz von Maschinen.
„Mein Winzerbuch“, erschienen 1950, von Georg Scheu und der zweite Teil; „Ergänzende Erfahrungen aus der Praxis“; zählen auch heute noch zu den Stan- dardwerken im Weinbau. Scheus Arbeit ging weit über die Züchtung neuer Rebsorten hinaus. Seine großen Verdienste im Qualitätsweinbau wirken bis heute. Seine Erfolge im Bereich der Klonselektion der Reben führte zu stabileren Erträgen und zur Eindämmung von Rebkrankheiten. Zum 130. Geburtstag schreibt Dr. Otmar Bauer in einem Gastbeitrag in der Allge- meinen Zeitung: „Georg Scheu hat der Winzernot den Garaus gemacht.“
100 Jahre Scheurebe
Erste Anerkennung im Weinbau fand die Scheurebe in den 50er-Jahren. Ganz nach dem Geschmack der damaligen Verbraucher erzeugten die Winzer vorwiegend Beeren- und Trockenbeerenauslesen. In den 70er-Jahren waren etwa 1.800 Hektar der deutschen Reb äche mit der Scheurebe bep anzt. Die steigende Nachfrage von trockenen Weinen führte in den folgenden Jahren zu einer deutlichen Verringerung der Reb äche für die Scheurebe. Heute hat sich dieser Trend umgekehrt. Insbesondere die Generation der jüngeren Weintrinker fragt wieder stärker nach bukettreichen Sorten. Mit 26.560 Hektar ist Rheinhessen das größte deutsche Weinanbau- gebiet und mit 770 Hektar Scheureb äche auch die internationale Nummer eins bei dieser Rebsor- te, gefolgt von der Pfalz mit 355 Hektar, Franken mit 136 Hektar, Nahe mit 108 Hektar und Baden- Württemberg mit 50 Hektar.
Der Mainzer Fachverlag Dr. Fraund verlieh 2016 zum 100-jährigen Jubiläum der Scheurebe den ersten internationalen Scheurebe-Preises und rückte damit diesen Wein stärker ins Rampenlicht. Erwartungs- gemäß war das Feld der beteiligten Winzerbetriebe mit 191 aus der Heimat der Scheurebe, Rheinhes- sen, besonders stark. Gefolgt von der Pfalz mit 91, Franken mit 62, Österreich mit 38 und der Schweiz mit zwei Betrieben. Aus allen anderen deutschen Weinbaugebieten hatte sich außerdem mindestens ein weiterer Betrieb am Wettbewerb beteiligt.
Weine mit Charakter
Die Scheurebe reift spät und beansprucht gute Böden. Die vollreifen Beeren sind hell- bis goldgelb. Die Rebsorte bringt meist Weine mit markanter Säure und großer Aromenfülle. Sie reicht von schwarzer Johannisbeere, Grapefruitaromen, über Maracuja,
bis zu P rsich und Mango.
Die pikant-rassige Fruchtsäure vereint sich har-
monisch mit der Restsüße zu einem vollen Körper.
Georg Scheu zur Ehre
Seit 2010 verleihen die Stadt Alzey, der Land- kreis Alzey-Worms, die Interessensgemeinschaft der Winzer und die Allgemeine Zeitung Alzey einen Weinkulturpreis. Die Verleihung des Weinkulturpreises im Rahmen einer repräsentativen Weinprobe beim Alzeyer Winzerfest (drittes Wochenende im Septem- ber) mit Überreichung der Georg-Scheu-Plakette ist der Höhepunkte im kulturellen Leben der Stadt Alzey.
Bisherige Preisträger: Dr. Rainer Brüderle, ehema- liger Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz; Udo van Kampen, ehemaliger Leiter des ZDF-Europa- studios in Brüssel; Norbert Blüm, Arbeitsminister a.D., Prof. Dr. Jürgen Stark, ehemaliges Mitglied im Direktorium der Europabank, Dr. Dr. Kardinal Karl Lehmann, ehemaliger Bischof von Mainz; Karl-Heinz Kipp, Gründer der Masaa-Märkte, Dr. Dieter Wedel, Regisseur; Markus Schächter, ehemaliger Intendant des ZDF; Walter Plathe, Schauspieler; Horst Lichter, Fernsehkoch; Roberto Blanco, Sänreg; Lars Reichow, Kabarettist; Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt a.D.; Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des Magazins Stern; Joschka Fischer, Bundesaußenminister a.D.; Silvia Neid, ehemalige Bundestrainerin der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen.
Dr. Ottmar Bauer,
Leiter Landesanstalt für Rebenzüchtung a.D.
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