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Deutsche Marine
Wichtige Weichen gestellt Jahresbrief des Inspekteurs der Marine
Für die Ausrichtung unserer Streit- kräfte gilt heute die Gleichrangig- keit von Landes- und Bündnisverteidi-
gung, nationaler Krisenvorsorge sowie der Wahrnehmung von Aufgaben im internationalen Krisen- und Konfliktma- nagement. Eine Integration in Bündnisse ist Wesenskern deutscher Verteidigungs- politik und die Anforderungen der Nato an Deutschland bilden eine wesentliche Grundlage des Fähigkeitsprofils der Bun- deswehr. Dabei ist Deutschland aufge- fordert, sich zunehmend auch auf kurz- fristig verfügbare Beiträge zu fokussieren und die Befähigung zum hochintensiven Gefecht im multidimensionalen Raum zielgerichtet und bestmöglich zu opti- mieren.
Neben der Anpassung von materieller Ausstattung und Kommandostrukturen muss sich der Kernauftrag der Bundes- wehr, die Verteidigung Deutschlands und seiner Verbündeten, aber auch im „Mindset“, also im Bewusstsein aller Angehörigen der Streitkräfte spiegeln. Ein solches Denken und Handeln aktiv zu unterstützen und zu begleiten, ist Verpflichtung jedes Einzelnen, insbe- sondere jedoch die aller Vorgesetzten. Unser Land und seine Verbündeten in der Nato und der Europäischen Union sind unverändert auf freie und sichere Seeverbindungen angewiesen. Dem- entsprechend kommt der See und damit der Marine in der Sicherheits- und Ver- teidigungspolitik eine entscheidende Rolle zu, um den Schutz Deutschlands und seiner Interessen in unseren Hei- matgewässern, im Bündnisgebiet und darüber hinaus zu gewährleisten.
Bei dem bis vor wenigen Jahren noch dominierenden internationalen Kri- sen- und Konfliktmanagement stand vor allem die südliche Peripherie Euro- pas vom Mittelmeer bis in den Indischen Ozean im Fokus deutscher und europä- ischer Sicherheitsinteressen. Doch ins- besondere die Seewege von Nordame- rika über den Atlantik, durch den Engli- schen Kanal und die Nordsee bis in die
Vizeadmiral Andreas Krause steht seit mehr als sechs Jahren an der Spitze der Deutschen Marine
Ostsee sind nicht nur ebenso wichtige ökonomische Lebensadern unseres Lan- des und Europas – sie sind gerade im Hinblick auf Landes- und Bündnisver- teidigung von entscheidender strategi- scher Bedeutung.
Vor allem im Ostseeraum als Teil der Nordflanke der Nato kommt Deutsch- land als Anrainer mit der größten Marine des Bündnisses eine besondere Ver- antwortung für die Organisation von
Sicherheit zu. Mit der Aufstellung von DEU MARFOR in Rostock als mariti- mem Stab mit multinationalen Antei- len ist die Deutsche Marine den Forde- rungen der Nato an Deutschland kon- sequent gefolgt und hat damit zugleich ein wichtiges Zeichen zur Übernahme erweiterter Verantwortung im Bereich der multinationalen maritimen Ope- rationsplanung und -führung gesetzt. Obwohl regional nicht limitiert, ist die- ser Stab für einen Einsatz im Nordflan- kenraum prädestiniert.
Mit der Bewerbung zur Übernahme der Baltic Maritime Coordination Func- tion (BMCF) vom Nato Maritime Com- mand Northwood strebt Deutschland die Rolle eines regionalen Koordinators und Ansprechpartners für andere Mari- nen im Ostseeraum und für die Nato- Kommandostruktur an. Ziel ist es, die Aktivitäten in dieser Region einschließ- lich der Übungs- und Ausbildungsvorha- ben nach Möglichkeit noch besser abzu- stimmen und gemeinsam zu gestalten. Grundsätzlich ist zu beobachten, dass die Fragilität des globalen Sicherheits- umfelds stetig zunimmt und es zuneh- mender Anstrengungen auf allen Ebe- nen bedarf, um den immer vielschichti- ger werdenden Bedrohungen erfolgreich begegnen zu können. Neben dem klassi- schen Schutz von Seeverbindungswegen
6 Leinen los! 1-2/2021
September 2020: Das türkische Forschungsschiff Oruc reis liegt zur Versorgung und Wartung vor Antalya auf Reede
Foto: picture alliance/AA/Mustafa Ciftci Foto: Deutsche Marine


































































































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