Page 7 - LL_12_2020
P. 7

Force übernehmen. Ein deutscher Admi- ral wird dann von Land aus in Naqura/ Libanon diesen einzigen maritimen Ein- satzverband der Vereinten Nationen füh- ren. Wir setzen Kräfte bei Irini ein, der Fol- geoperation zur Verminderung der Schleu- serkriminalität vor der libyschen Küste. Im Bereich des Aufbaus von Kapazitäten und Fähigkeiten von Nachbarregionen, in die- sem Fall Niger, sind die Spezialkräfte der Marine im Einsatz und verantworten unter dem Operationsnamen Gazelle federfüh- rend die Ausbildung von Spezialkräften der Streitkräfte Nigers. Diese Operation wird im nächsten Jahr in die EUTM Mali inte- griert, bekommt einen deutlich größeren, bundeswehrgemeinsamen Personalkör- per. Das Kommando Spezialkräfte Marine (KSM) bleibt hierfür der Leitverband für die nächsten zwei Jahre.
Leinen los!: Wie funktioniert im Einsatz der schwimmenden Einheiten das neu- artige Mehrbesatzungskonzept, mit dem die Einsatzflottille 1, vor allem mit Korvet- ten und U-Booten, sozusagen Vorreiter in der Deutschen Marine gewesen ist? Bock: Gut! Geboren aus der materiellen und personellen Not der damaligen Zeit bei gleichzeitig immens hohen Einsatz- verpflichtungen haben wir uns verschie- denste Modelle ausgedacht, unsere Verbände robust aufzustellen. Wir woll- ten und mussten alle unsere Verpflich- tungen durchgehend, aber auch flexi- bler erfüllen. „Mehrbesatzungskonzept“ ist der Begriff, der in den Köpfen hängen bleibt. Gemeint ist aber das Trennen von Besatzungen und Plattformen, der Wech- sel von Besatzungen über verschiedene Plattformen oder das Bereitstellen zusätz- licher Besatzungen, um Abwesenheiten zu reduzieren. Wir stellen mit dem flexi- blen und über die verschiedenen Waffen- systeme auch unterschiedlichen Vorge-
Die Korvette F 262 erfurt
beim Missile Firing Exercise 2019
hen sicher, dass die beste Plattform und die bestausgebildete Besatzung zum rich- tigen Zeitpunkt voll ausgebildet für den Einsatz zur Verfügung steht. Es geht also darum, flexibel zu sein, auf materielle Ein- schränkungen zu reagieren, Redundan- zen zu schaffen und auch das Personal zu entlasten.
Ein Beispiel: Es kommt jetzt am Samstag (24.10.2020) die Korvette Ludwigshafen am Rhein zurück. Die Plattform war 17 Monate
bei Unifil eingesetzt. Insgesamt vier Besat- zungen haben mit drei Besatzungswechseln im Einsatz sichergestellt, dass die Korvette über anderthalb Jahre ununterbrochen im Einsatz gewesen ist. Das geht nur mit der Flexibilität von Wechselbesatzungen.
Leinen los!: Ein etwas näher gelegenes Meer, die Ostsee, ist in den letzten Jah- ren als bedeutsamer strategischer Raum „wiederentdeckt“ worden. Was resultiert daraus für die Aufgaben und die Aktivitä- ten Ihrer Flottille?
Bock: Im Kern, und das muss ich natür- lich sagen, war uns die Ostsee natürlich schon immer am nächsten. Deswegen sind wir ja hier in Kiel, deswegen haben wir unsere Fähigkeiten auch so aufgestellt und sie in der Einsatzflottille 1 zusam- mengefasst. Und wir haben ja auch hier ganz besonders spezialisierte Einheiten, die sich in diesem besonderen mariti- men Raum bestmöglich bewegen kön- nen. Die Kräfte, die wir hier einsetzen, U-Boote, Flottendienstboote, die Minen- abwehreinheiten, Korvetten und Tender
Deutsche Marine
Flottillenadmiral Christian Bock
Flottillenadmiral Christian Bock,
geb. 1969, trat 1988 (Crew VII/88) in
die Marine ein. Nach der Offiziers-
ausbildung Studium der Betriebs-
wirtschaftslehre an der Universi-
tät der Bundeswehr, Hamburg,
Abschluss Diplom-Kaufmann.
Anschließend Wachoffizier im 4.
Minensuchgeschwader, Wilhelms-
haven, von 1998 bis 2000 Komman-
dant Minenjagdboot KuLmbach im
3. Minensuchgeschwader in Olpe-
nitz. Dann Sachbearbeiter im Füh-
rungsstab Marine III 1 (Konzeption
Marine) im Bundesministerium
der Verteidigung (BMVg), Bonn.
Teilnehmer 43. Admiralstabslehr-
gang an der Führungsakademie
der Bundeswehr, Hamburg, von
2003 bis 2005. Verwendung im Nato-Hauptquartier Norfolk/USA, anschl. S 3 und Stv. Kommandeur 3. Minensuchgeschwader in Kiel. 2007 bis 2008 Referent im Führungsstab der Streitkräfte V 2 (Einsatzführung) im BMVg, Bonn, dann zwei Jahre Kommandeur 5. Minensuchgeschwader, Kiel, dabei Einsatz als Komman- deur Deutsches Einsatzkontingent Unifil im Mittelmeer. Sodann Referent im Füh- rungsstab der Streitkräfte VI 2 BMVg (Konzeption Bundeswehr), Bonn, Referent im Bundeskanzleramt, Berlin, und 2013 bis 2015 Leiter Einsatzgruppe Maritime Operationen/Horn von Afrika im Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Potsdam. 2015 bis 2018 Referatsleiter Planung I 1 im BMVg, Bonn/Berlin. Seit April 2018 Kommandeur Einsatzflottille 1.
Leinen los! 12/2020 7
Foto: Bundeswehr/Marcel Kröncke
Foto: COE CSW


































































































   5   6   7   8   9