Page 9 - LL_12_2020
P. 9

Deutsche Marine
und der Zeitplan ist fast im Takt. Das läuft mit der Industrie in der Zusammenarbeit und dem Bundesamt für Ausrüstung, In- frastruktur und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in einer ganz hervorragenden Art und Weise. Wir haben die Hoffnung, unseren Zeitplan einzuhalten und dann ab 2022 mit der Einsatzausbildung der ersten Besatzung auf der neuen Korvette KöLn loslegen zu können.
Leinen los!: Apropos Köln. Die neuen Korvetten werden ja Traditionsnamen aus der deutschen Marinegeschichte erhal- ten und damit auch an bewährte Paten- schaften anknüpfen. Welchen Stellenwert haben diese Patenschaften?
Bock: Die Patenschaften hatten schon immer eine essenzielle Bedeutung für die Marine. Wir reden hier von einer ganz besonderen Integration und einem Wie- dererkennungswert für die Teilstreitkraft Marine in der Gesellschaft, die ja natur- gemäß im Norden stationiert ist. Des- wegen lag der Fokus der Patenschaften also in der Fläche und eher auch mehr im Binnenland. Die Hoffnung, dass sich hier- aus besondere Beziehungen entwickeln, hat sich bestätigt. Gemeinsam mit den Patenstädten gelingen uns öffentlich- keitswirksame Aktivitäten zum Darstellen der Marine. Die Patenschaften motivie- ren auch, wenn die Besatzungen eng mit den Organisationen, Vereinen und den Städten und Landkreisen, für die sie dann als „Patenkind“ stehen, verbunden sind, wertgeschätzt werden und sich durch diese Wertschätzung dann auch tatsäch- lich in die Gesellschaft integriert fühlen.
Leinen los!: Resonanz im Binnenland ist immer auch ein Baustein der Nachwuchs- gewinnung. Wie sieht es in diesem Zusam- menhang aus mit der Personallage in der Einsatzflottille 1?
Bock: Vorwegnehmen möchte ich, dass wir auf keinen einzelnen Dienstposten in der Flottille, aber auch nicht in Marine und Bundeswehr insgesamt, verzichten kön- nen. Wir brauchen Personal an allen Stel- len und jeder nicht besetzte Dienstpos- ten stört uns insgesamt bei der Dienstaus- übung. Ich möchte sagen: Bei uns ist nicht alles voll besetzt. Nachwuchswerbung ist eine Daueraufgabe. Unsere Lage kann man im Durchschnitt als befriedigend bezeichnen. Sie ist in einer Verwendungs- reihe mal besser und in der anderen etwas schlechter. Wir sind aber immer gezwun- gen, unseren tagtäglichen, auf dem Hof
befindlichen Personalkörper zu betrach- ten und bestmöglich zum Einsatz unserer Fähigkeiten zu verwenden.
Insofern ist die Nachwuchswerbung eine strategische Aufgabe. Wir müssen hier wirklich jeden Tag mit allen Möglichkeiten, die uns die zentrale Werbeorganisation der Bundeswehr bietet, arbeiten. Zusätz- lich, und das ist ein positiver Aspekt der letzten Jahre, versuchen wir mit dezen- tralen, ergänzenden, teils regionalen Wer- bemaßnahmen, Personal ganz speziell für unsere besonderen und vielfältigen Fähigkeiten in der Flottille anzusprechen.
sächlich fällt es uns schwer, dieses Stim- mungsbild aus der Medien-, Presse- und Gesellschaftslandschaft herauszubekom- men. Letztendlich haben wir mit großen Medienkampagnen schon jetzt bewiesen, dass unsere U-Boote heftig und dauer- haft unterwegs sind. Wir haben derzeit drei Boote einsatzklar. Sie sind einge- setzt in der Aufklärung, in Ausbildung und Übung. Und wir haben hier zusammen mit den Partnern beim BAAINBw, beim Mari- nearsenal, aber auch bei der Industrie, beim Marineunterstützungskommando und beim Marinekommando alles unter-
Ein Wachoffizierschüler auf U 31 während einer Prüfungsfahrt durch die Ostsee
Beispielhaft nenne ich mal die U-Boot- fahrer. Es ist wirklich schwierig, aus einer zentralen Werbeorganisation direkt für U-Boote zu werben. Man muss dezidiert auf unbesetzte Dienstposten, auf Verwen- dungsreihen, die man besonders benö- tigt, aufmerksam machen. Lokal kann jun- gen Interessenten das Besondere eines Smuts auf U-Booten förmlich schmackhaft gemacht werden. Wir müssen promoten, welche Vielfalt an interessanten Tätigkei- ten und Funktionen es bei uns gibt, wel- che besonderen Anreize das Dienen in der Marine oder im Speziellen in einem U-Bootgeschwader hat. Da braucht es immer wieder neue pfiffige Ideen.
Leinen los!: Die U-Boote gingen vor eini- ger Zeit durch die Presse, als sie mangels Ersatzteilen allesamt an der Pier lagen. Wie sieht es derzeit aus mit der ‚logisti- schen Lage‘?
Bock: Der Ausgangspunkt der Frage ist ja das Jahr 2018. Seitdem ist natürlich schon einige Zeit vergangen. Und tat-
nommen, um die Einsatzfähigkeit der U-Boote wieder hochzufahren. Das ist uns sehr gut gelungen in einer sehr, sehr kurzen Zeit.
Leinen los!: Die Minenstreitkräfte haben in den vergangenen Jahren einen deut- lichen Aderlass erfahren. Was war der Grund dafür und welche Bedeutung hat die Minenkriegführung heutzutage in modernen Konfliktszenarien?
Bock: Wir sind mit den Minenstreitkräf- ten in eine strategische Falle gelaufen – mit der Ableitung des Bedrohungsspek- trums nach der „Wende“. Die Fähigkei- ten der Minenabwehr wurden weder operativ gebraucht noch abgerufen für ihren eigentlichen Kern, nämlich Veren- gung von Seestraßen beziehungsweise Suchen von verlegten Minen. Das war ein- fach nicht mehr denkbar, dass man diese Fähigkeiten noch in einem so großen Umfang braucht. Deswegen wurde nach 1990 in den verschiedenen Reformen bis hin zur Neuausrichtung der Bundeswehr
Leinen los! 12/2020 9
Foto: Bundewehr/Jana Neumann


































































































   7   8   9   10   11