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Deutsche Marine
Auftrag und Organisation der Einsatzflottille 1
Die Einsatzflottille 1 der Deutschen Marine bündelt alle Seekriegsmittel und landgebundenen Einheiten der Marine im Ostseeraum. Ihr Schwerpunkt liegt bei der Seekriegführung in Küstengewässern und Randmeeren. Sie besteht aus vier Geschwadern: dem 1. Korvettengeschwader mit fünf Korvetten (wei- tere fünf laufen ab 2022 zu), dem 3. Minensuchgeschwader mit zehn Minenab- wehrbooten, dem 1. Ubootgeschwader mit sechs U-Booten, einem U-Boot- Tender und drei Flottendienstbooten sowie dem Unterstützungsgeschwa- der mit fünf Tendern.
Darüber hinaus unterstehen der Einsatzflottille 1 das Kommando Spezial- kräfte der Marine mit den Kampfschwimmern als dessen Kern, das Seebatail- lon mit Boardingsoldaten, Minentauchern, Aufklärungs- und Küsteneinsatz- kräften sowie die drei Marinestützpunktkommandos in Kiel, Warnemünde und Eckernförde.
Etwa 4.500 Menschen dienen und arbeiten in der Flottille. Der Flottillenstab liegt im Marinestützpunkt Kiel. Dort ist Kommandeur Flottillenadmiral Chris- tian Bock in Personalunion auch Direktor des Nato-akkreditierten Kompetenz- zentrums für Operationen in küstennahen Gewässern (Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters). Das Portfolio der Einsatzflottille 1 vereint damit eine Vielzahl von Waffensystemen und Spezialisierungen unter einem Dach: Bekämpfung von Land-, See- und Luftzielen, Seeraumüberwa- chung, Mineneinsatz und Minenabwehr, Kampfmittelbeseitigung über und unter Wasser, bewaffnetes Boarding, Kontrolle von Schiffen, Schutz von See- wegen, Schiffen, Strandabschnitten und Häfen, Kampf gegen U-Boote, ver- deckte Aufklärung, Unterstützung von Evakuierungsoperationen, Spezialope- rationen sowie Rettungs- und Hilfseinsätze. EinsFltl 1
diese Fähigkeit noch weiter reduziert. Seit 2014 weiß man: das war ein Fehler. Nun sind wir bei einem sehr geringen Einhei- tenumfang, der sich derzeit materiell als auch personell bereedern lässt, mit einem aber insgesamt doch sehr viel breiter gewordenen technischen Minenabwehr- fähigkeitsspektrum. Beispielsweise haben wir die Führungsfähigkeit für Überwasser- simulationsdrohnen als auch originäre Minenjagdfähigkeiten auf gemeinsamen Plattformen kombiniert und just moder- nisiert. Wir können also immer noch alles, was wir auch vor 30 Jahren schon konn- ten. Wir haben nur zu wenige und immer älter werdende Einheiten, insbesondere um unsere Teilnahme an den beiden stän- digen Nato-Minenabwehreinsatzverbän- den lückenlos zu sichern.
Leinen los!: Ihre Flottille verfügt nicht nur über ein weites Spektrum an mari- timen Fähigkeiten, sondern auch über Andockstellen für internationale Koope- ration, wie beim Seebataillon mit dem Korps Mariniers der Niederländischen Marine oder bei der deutsch-norwegi- schen Kooperation beim U-Boot-Projekt 212 CD? Wie läuft diese Zusammenar- beit?
Bock: Strategischen Modellcharakter haben diese Projekte auf jeden Fall. Beide bedeuten eine signifikante Erweiterung der Fähigkeiten der Bundeswehr insge- samt und der Marine im Besonderen. Sie sind aber tatsächlich nur zwei wichtige Beispiele in unterschiedlichsten Berei- chen. Im amphibischen Bereich, wo wir in Ergänzung von niederländischen amphibi- schen Kräften deren Transport- bzw. Dock- schiffe mitbenutzen können und dadurch unsere Fähigkeiten stärken. Im Rahmen der gemeinsamen Projektierung für U 212 CD, Common Design, wird europäisch beispiel- haft erstmalig ein U-Boot gebaut, das zwei
Nationen baugleich nutzen können, um dann auch gemeinsam viel flexibler zu sein. Jeder unserer Verbände hat im Übrigen direkte internationale Kontakte mit den entsprechenden Partnerflottillen und -ver- bänden in den einzelnen Nationen hier an der Ostsee. Wir machen fast auf täglicher Basis gemeinsame Übungen, die auch ad hoc aufgerufen werden können – im Rah- men des strategischen, sicherheitspoliti- schen, aber auch taktisch-operativen Net- zes der EU und der Nato in der Ostsee. Das ist der Kern unserer täglichen Arbeit. Nur in der multinationalen Kooperation bringen wir unsere deutschen Fähigkeiten in der Ostsee bestmöglich zur Wirkung.
Leinen los!: Und noch eine Frage zum Schluss: Sie sind unlängst Mitglied im Deutschen Marinebund geworden. Was waren die Beweggründe dafür?
Bock: Die „blauen Verbände“ nenne ich sie mal, also nicht nur der Deutsche Marinebund (DMB), sondern auch das Deutsche Maritime Institut (DMI), dem ich vorsitze, und die Marine-Offizier- Vereinigung (MOV), deren Stellvertre- tender Vorsitzender ich bin, sind wich- tige Integratoren der Marine und Mul- tiplikatoren von Marineinformationen in die Gesellschaft. Der DMB leistet hier Großartiges. Der Präsident des DMB und sein Präsidium arbeiten eng mit dem DMI zusammen, und wir stim- men unsere Aktivitäten ab. Die Medien „Leinen los!“ des DMB oder das „Mari- neForum“ von DMI und MOV tragen Marine- und maritime Botschaften und Informationen weit übers Land. Inso- fern war es für mich eine Verpflichtung und Ehre, auch im DMB Mitglied zu werden und diese Arbeit sichtbar zu unterstützen.
Leinen los!: Herr Admiral, vielen Dank für das Gespräch.
U 36 während eines Transits von Eckernförde nach Kiel. Im Hintergrund das MEM
Die Fragen stellte Frank Ganseuer.
10 Leinen los! 12/2020
Foto: Stephen Gergs

