Page 3 - Soll Schach olympisch werden
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Kommen wir nun zu einem weiteren Kriterium: der Bedenkzeit. Hier hat sich bei der FIDE
mittlerweile die Fischer-Zeit, also Bedenkzeit mit Zeitaufschlag pro Zug durchgesetzt. Für
einen so straffen Zeitplan wie den der olympischen Spiele könnte gerade der Zeitaufschlag
pro Zug den Zeitplan gewaltig durcheinander wirbeln. Gerade im Hinblick auf einen TV-Plan
müssten hier aber feste Zeiten verwendet werden, also Blitz die üblichen 5min, bei
Schnellschach die üblichen 25min und beim Normalschach müsste man dann schon eine recht
kurze Variante wählen, z.B. 90min/40 Züge plus 30min/Rest oder gleich nur
2h/Spieler/Partie.

Wie kann man nun für so viele Spieler und Mannschaften bei diesen Bedenkzeiten einen
optimalen Spielplan erstellen? Man kann dies natürlich nur sehr straff machen, indem man 3-
4 Normalpartien/Spieler/Mannschaft (evtl. auch mehr) an einem Tag terminiert. Dies wirft
dann jedoch weitere Fragen auf: Welche Spieler und Mannschaften wollen sich einem so
gewaltigen Stress aussetzen? Und vermutlich will man als Spieler/Mannschaft ja auch mal
einen freien Tag genießen, um sich von den Strapazen zu erholen und evtl. die eine oder
andere Sportart anzuschauen.

Ob sich dann noch viele Profis finden lassen, die an den olympischen Spielen teilnehmen
wollen? Bei Nationen mit starken Sponsoren für den Schachsport könnte dies noch der Fall
sein, doch vermutlich läuft es dann darauf hinaus, dass die meisten Spieler Amateurspieler
sind, die für die Olympischen Spiele ihren Jahresurlaub opfern würden. Zudem müssten diese
Spieler dann schon Extremspieler sein, die nicht davor zurückschrecken, jeden Tag 8-12
Stunden am Brett zu sitzen. Über einen Zeitraum von 2 Wochen ist dies sicherlich nicht
gesund, wenn nur wenig Ruhepausen zwischen den Partien sind. Dies würde dann wohl auch
heißen, dass eine Nation verschiedene Spieler für die Einzeldisziplinen und
Mannschaftsdisziplinen stellen sollte. Heißt bei sechs Disziplinen also, dass für jede Disziplin
verschiedene Spieler mitreisen sollten. Dies würde jedoch dann das Budget jeder Nation
extrem belasten, so dass dies ohne große Sponsoren gar nicht möglich ist. Bei einem so
extremen Zeitplan müssten die Spieler schon fit sein, um den Belastungen stand halten zu
können. Somit könnte man dann auch gleich allen Kritikern beweisen, dass Schach auch
körperlich anstrengend ist.

Kommen wir also noch einmal zur Ausgangsfrage zurück: Soll Schach olympisch werden?

Diese Frage muss man nun unter verschieden Aspekten beantworten:

1) Touristischer Aspekt: JA,
2) Spielersicht (Spieler tritt nur bei 1-2 Disziplinen an): JA
3) Spielersicht (Spieler tritt bei allen Disziplinen an): NEIN
4) Wirtschaftlicher Aspekt für den Verband (ohne Großsponsor): NEIN
5) Wirtschaftlicher Aspekt für den Verband (mit Großsponsor): JA
6) Gesundheitlicher Aspekt (Spieler tritt nur bei 1-2 Disziplinen an): JA
7) Gesundheitlicher Aspekt (Spieler bei allen Disziplinen an): NEIN

So gesehen gibt möglicherweise nur der touristische Aspekt den Ausschlag für ein knappes JA
zu olympischen Spielen für die Sportart SCHACH, da sich bei allen anderen Punkten
vermutlich PRO und CONTRA ausgeglichen sind.

Heißt also, um überhaupt die Frage zu stellen, müssen im Vorfeld sicherlich viele Dinge
geklärt werden, damit man bei einem eventuellen. JA nicht darauf herein fällt, dass am Ende
gar kein Schachspieler zu den Olympischen Spielen will.
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