Page 6 - Leseprobe "Niemals ohne Lippenstift"
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Was nun?
»Wissen Sie, wo die Elfie ist?«, fragt mich Friedl am Telefon. Die Freundin der Tante Elfie, die seit gut einem halben Jahrhundert über die meisten wichtigen und unwichtigen Angelegenheiten der Tante bestens informiert ist, klingt besorgt.
»Nein, ich habe keine Ahnung!« Seit drei oder vier Tagen rufe ich selbst erfolglos bei der Tante an, aber es gelingt mir nicht, ihrer habhaft zu werden. Ich bin leicht beunruhigt, aber trotzdem hoffnungsvoll, dass die Tante wie schon so oft, einfach nur auf der Walz ist und halt wieder einmal nicht Bescheid gesagt hat. Heute, am Montag, wollte ich es noch einmal versuchen. Doch die Friedl kam mir mit ihrer Frage zuvor.
»Der Kowalski hat gesehen, dass sie von der Rettung abgeholt wurde!«, informiert mich Friedl, die wie meistens mehr als ich weiß. Herr Kowalski ist der Hausmeister und er ist, wie sich das für einen guten Hausmeister eben gehört, meistens auf dem Laufenden, was die Mieter des ihm anvertrauten Hauses betrifft. »Mit der Rettung? Um Himmels willen! Was ist denn passiert und in welchem Spital ist sie denn?«, entfährt es mir vor Schreck.
»Na, das hat der Kowalski auch nicht gewusst. Deswegen rufe ich Sie ja an.«
Ah ja, logisch. In meinem Gehirn beginnt es zu rattern und ich will mich auf die Suche nach der Tante Elfie machen und dann, sobald ich mehr weiß, die Friedl darüber informieren.
Wie findet man heutzutage jemanden, der sich dem Hörensagen nach in irgendeinem Krankenhaus befindet? Richtig. Man fragt Herrn Google. Eine Liste mit sozialmedizinischen Einrichtungen und Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes ist schnell gefunden. Ich suche mir die dem Wohnort der Tante nächstgelegenen Spitäler heraus und rufe an. Im Krankenhaus Hietzing, der Nummer zwei auf meiner ›Wär-ja-logisch-Liste‹, werde ich auch schon fündig. ›2. Medizinische Abteilung, Pavillon 3a‹, erfahre ich, und mir wird augenblicklich noch ein kleines bisschen mulmiger zumute, als mir ohnehin schon war. Diesen Pavillon kenne ich aus dem Jahr 2005, als ich dort meine damals 85-jährige Großmutter besuchte. In jenem Jahr übernahm
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