Page 7 - Leseprobe "Niemals ohne Lippenstift"
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ich die Sachwalterschaft für die Oma und durfte mich, wenn auch nur kurz, um ihre Angelegenheiten und ihr Seelenheil kümmern. »Bitte, nicht schon wieder!«, flehe ich himmelwärts und mache mich in Windeseile auf den Weg nach Hietzing.
»Es gibt ja doch jemanden!« Die Stationsschwester ist sichtlich erfreut, als ich bei ihr vorspreche, um mich nach der Frau Elfriede Gebauer zu erkundigen. Auf meine Frage, was denn das bedeuten solle, erfahre ich, dass die Tante, als man sich nach Angehörigen erkundigte, meinte, sie hätte niemanden und sie sei ja ganz allein. Das sitzt. Die Stationsschwester sieht mir meine Erschütterung an und meint tröstlich, dass die Frau Gebauer im Augenblick eben sehr verwirrt sei und man keinerlei klare und schlüssige Angaben von ihr bekommen könne. Man wisse auch noch nicht, was die Ursache dieser augenblicklichen geistigen Unzulänglichkeit sei. Einige Untersuchungen seien bereits terminisiert.
Mit gemischten Gefühlen gehe ich nun ins genannte Zimmer, um die Tante zu sehen. Sie liegt im Bett und starrt mit abwesendem Gesichtsausdruck und leeren Augen an die Decke. Ich begrüße sie freundlich und versuche zu lächeln, obwohl mir gar nicht danach zumute ist. Ich bin auf ihre Reaktion gespannt. Langsam dreht die Tante den Kopf in meine Richtung, sieht mich an und nach einigen endlos wirkenden Sekunden verändert sich ihr Gesichtsausdruck.
»Ah, du? Nau, doss du a amoi her find’st!«, bekomme ich vor- wurfsvoll zu hören. Jetzt verstehe ich gar nichts mehr, aber immerhin erkennt sie mich, und vor allem scheint ihr wieder klar zu werden, dass sie ja doch jemanden hat, der sich um sie sorgt. Es ist sehr mühsam mit der Tante ins Gespräch zu kommen. Als ich ihr erkläre, dass ich sie schon seit Tagen telefonisch erreichen wollte, und ich erst von der Friedl gehört hätte, dass sie im Spital sei, kann sie kaum die Zusammenhänge verstehen. Nach mehr- facher, äußerst geduldiger Wiederholung meinerseits, scheint sie die Situation zumindest ansatzweise zu erfassen.
»Nau, wieso hot denn die Friedl des g’wusst?«, will sie noch einmal von mir wissen.
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