Page 9 - Leseprobe "Niemals ohne Lippenstift"
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Mir verschlägt es fast die Sprache, und ich bin regelrecht fas- sungslos über diese Erzählung, die die Tante für die Wahrheit hält.
»Aber wie bist du denn ins Krankenhaus gekommen?«, versuche ich die Aufmerksamkeit wieder auf die Realität zu lenken.
»Jo, daunn is die Rettung kumman und jetzt bin i do!«, schließt die Tante ihre Geschichte ab, und mehr ist auch beim besten Willen nicht zu erfahren.
In den letzten Jahren machte sich das geistige ›Nachlassen‹ der Tante durch immer stärker werdende Vergesslichkeit, eine dann und wann gestörte Selbstwahrnehmung und allerlei absurde Ideen bemerkbar. An so manche skurrile Geschichte, an deren Wahrheitsgehalt ich meine Zweifel hatte, möchte ich im Moment gar nicht denken. Die völlige Orientierungslosigkeit ist neu und die eben gehörte fantastische Geschichte macht mir regelrecht Angst.
Ich bin ratlos. Was nun?
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