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Im Weingut Bungert-Mauer, in dem kleinen Weinbaudorf Ocken- heim, treffen wir nicht nur auf die älteste deutsche Rebsorte, son- dern auch auf Spezialisten, die mit der 350 Jahre alten deutschen Traditionsrebe ausgezeichnet um- gehen können. Martina und Mat- thias Bungert widmen ihre ganze Weinleidenschaft dem Silvaner, der in Rheinhessen auch unter dem Namen „Österreicher“ bekannt ist. Trotz Sortenvielfalt in den rhein- hessischen Betrieben; sind Silvaner und Rieslinge hier immer noch die „Brot und Butterreben“ der Winzer.
Und gerade der Silvaner steht in Rheinhessen für zahlreiche Superlative. Mit zehn Millionen Rebstöcken weltweit größtes Sil- vaneranbaugebiet, 2.320 Hektar, neun Prozent der Reb äche; sind mit Silvaner bestockt. Bis in die 70er-Jahre waren die deutschen Rebflächen mit 30 Prozent mit Silvaner bestockt.
Dabei ist Rebe alles andere als unkompliziert. Sie gedeiht auf bes-
ten Böden, braucht die intensive P ege des Winzers im Anbau ge- nauso wie im Keller und verzeiht keine Fehler.
„Wir verbinden in unserem Be- trieb Innovation und Tradition“, so Matthias Bungert. Seine Weinberge schmiegen sich von der Rhein- ebene an den Sonnenhängen des Jakobsberges hinauf und gedei- hen prächtig auf Lehm, Löss, Ton, Sand und Muschelkalk. Warum gilt gerade dem nicht unkomplizierten Silvaner seine ganze Liebe? „Er ist eine in dieser Region heimische Rebe, die mit Klima und Böden gut zurechtkommt, liefert gesunde Trauben, Weine mit feinen Aromen und ist auch als ,Schnitttraube, sehr beliebt“ beschreibt Bungert die Sorte. Schnitttrauben nennen die Rheinhessen die Früchte der Weinberge; die Silvaner werden auch gerne gegessen. Die großen runden Beeren, Harmonie von Süße und Säure, der hohe Saftanteil und die nahezu kernlosen Trauben sind ein Hochgenuss.
Wechselhafte Geschichte
In vergangenen Jahrzehnten wur- de der Silvaner von den Winzern insbesondere wegen seiner üppi- gen Erträge geschätzt, leider häu g als Massenwein missbraucht. Das bekam weder dem Silvaner noch den Winzern, wenn er als „dünner Massenwein“ missbraucht wurde. Die Nachfrage ging zurück. Die Weinbruderschaft Rheinhessen unter ihrem damaligen Bruder- meister Prof. Dr. Hans-Jörg Koch, bangte um den Fortbestand der Rebsorte und brachte den „RS“ Rheinhessen-Silvaner auf den Weg. In der Folgezeit waren es weit mehr als 20 Winzerbetriebe, die sich den streng kontrollierten Anbau- und Ertragsvorgaben unterwarfen und einen eleganten, geschmackvollen Herkunftswein mit geschützter Ur- sprungsbezeichnung auf den Markt brachten.
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