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Das Terroir
Wie bereits beschrieben, be nden wir uns im sogenannten Sherry-Dreieck im Südwesten von Andalusien und nur die Weine, die hier produziert werden, dürfen sich tatsächlich Sherry nennen.
Allerdings dürfen die Trauben für die Produktion auch von außerhalb bezogen werden. Dies ist beispielsweise für die Herstellung des Süßweines Pedro Ximenez, dessen Trauben zum großen Teil aus dem ca. 220 km östlich entfernten Montilla stammen, sehr verbreitet.
Das Klima wechselt zwischen milden Wintern und heißen Sommern, wobei die frischen Winde (Poniente) vom nahen Meer die Sommerhitze etwas abmildern.
Die Region bietet ein reizvolles Bild, ein wunderbares Zusammenspiel zwischen dem Blau des Himmels, dem Grün der Reben und dem strahlenden Weiß der sogenannten Albariza-Böden mit bis zu 70 Prozent Kalkanteil. Diese sind vor allem in den hochwertigen Einzellagen (Jerez superior) zwischen Sanlúcar de Barrameda und dem Fluss Guadalete zu  nden. Sie besitzen eine sehr hohe Wasseraufnah- mekapazität und können das benötigte Wasser auch in sehr heißen Perioden über mehrere Wochen speichern. Auf den Al- bariza-Böden werden die drei von der Appellation vorgeschriebenen, weißen Rebsorten angebaut: die Pedro Ximénez-, die Moscatel- und die Palominotraube.
Ausgeklügelte Architektur
Nach der Lese im August/September werden die Trauben in die Bodegas trans- portiert. Heute  nden wir noch die gleichen Strukturen wie ab 1770 vor, als sich die architektonische Bodega-Konstruktion änderte. Die Änderungen hatten primär den Zweck, für die immer größer werdenden Produktionsmengen sowie neuen Produk- tionsmethoden mehr Raum zu schaffen.
Durch die typischen, im oberen Bereich angeordneten Fenster konnte ein stetiger Luftaustausch stattfinden. Der Boden besteht aus Sand, um diesen in sehr tro- ckenen Perioden mit Wasser besprühen zu können und eine gleichmäßige Luft- feuchtigkeit zu gewährleisten, was für die Reifung der Weine sowie für die Fässer sehr wichtig ist.
Eine lange Geschichte
Zu Beginn waren es die handelnden Phönizier und Karthager, die den Weinbau in die Region brachten.
Seitdem schauten auch die Griechen, Römer und Mauren dort vorbei und hin- terließen ihre Handschrift, bevor 1492 die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch die Christen abgeschlossen wurde.
Die damals hergestellten Weine unter- schieden sich natürlich noch gravierend in Reinheit und Konzentration von den uns heute bekannten Sherrys.
Einen sehr innovativen Schritt erfuhr die Kellereikultur mit der Einführung der Destil- lationskunst durch die Mauren. Obwohl in diesen Kreisen alkoholische Getränke verboten waren, wurde die Herstellung der Weine zu „medizinischen Zwecken“ aber erlaubt.
Somit ergab sich die Möglichkeit, die Weine alkoholisch zu verstärken, was vor allem die Haltbarkeit verbesserte. Nur so konnten sie auch auf langen Seerei- sen, beispielsweise in das neu entdeckte Amerika, transportiert werden.
Eine tragende Rolle spielt bis heute die enge Verbindung nach England. Bereits im 12. Jh. gelangten die „Sacks“ (Sherrys) innerhalb des Handels dorthin, womit auch deren Beliebtheit stetig stieg.
Es gab aber nicht nur friedliche Tage. So stahl 1587 der Pirat Francis Drake während der Belagerung des Hafens von Cádiz 2900 Sherryfässer und brachte sie nach England. Trotz des Verlustes hatte dies doch etwas Positives: Die Popularität und der Bedarf an Sherry in England steigerten sich daraufhin um ein Vielfaches.
Ab 1770 wurden neue, größere Bode- ga-Gebäude errichtet und ermöglichten es somit, größere Mengen Weine einzula- gern. Diese Kathedralen des Weines sind bis heute noch in Nutzung und durch ihre Architektur ein wichtiger Bestandteil des Sherry-Produktionsprozesses.
Ein Erfolg für die Produzenten wurde 1933 mit der Gründung des Kontrollra- tes (Consejo Regulador) und der damit einhergehenden Herkunftsbezeichnun- gen D.O. Jerez-Xérès-Sherry und 1964 D.O. Manzanilla errungen. Mittels strenger Kontrollen konnten von nun an die Her- kunft, Produktion und Qualität der Weine garantiert werden.


































































































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