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BÜCHERSCHAPP
Deutscher Marinebund
Walter Moers, Die Insel der Tausend Leuchttürme, Hardcover, Penguin Verlag, ISBN 978-3-32860006-0, € 42,–; Hörbuch: ungekürzte Lesung von Andreas Fröhlich, Hörverlag,MP3-CDs, €42,–
Walter Moers ist spätestens seit „13 1⁄2 Leben des Käpt´n Blaubär“ einem größeren Pub- likum bekannt. Markenzeichen: überbor- dende Phantasie, die man mit „Gebrüder
Grimm auf LSD“ annähernd beschreiben könnte, pralle Rundumschlag-Satire und die ganz eigentümlichen Zeichnungen, die auch diese Erzählung mit Leben erfüllen. Erstmals nutzt Moers das Genre des Briefromans, hier als Monolog des Erzählers, der von seinem (K)Urlaub auf der fiktiven Insel Eydernorn berichtet, der zum Abenteuer mutiert, in dem – wie bei Moers üblich – garantiert die unwahrscheinlichsten Dinge passieren. Kraakenfieken, Orkanwindmühlen, die Hal- tung von Hummdudeln in Herbergszimmern, warum man sich von Wolken beobachtet füh- len könnte und Wolkenspinnen als gefährlich ansehen sollte und viele weitere Kuriositäten entführen den Leser in eine andere Welt. Die perfekte Lektüre, um Urlaub von der Reali- tät zu nehmen. Aber sensible Gemüter seien gewarnt, es könnte sein, dass sie nie wieder einen Inselurlaub wagen werden ...
Michael Stehr
Peter Bogason: N ATO and the Baltic Ap- proaches 1949–1989. When Perception was Reality, DeGruyter Oldenbourg, ISBN 978-3-11123462-5, € 49,95
Die Ostsee steht seit 2014 verstärkt, seit 2022 nunmehr auf dramatische Art und
Weise im Mittelpunkt der Sicherheitspoli- tik. Hektische Verkürzungen wie jene von einem Kalten Krieg 2.0 machen wiederholt die Runde, andeutend, man müsse nur die Blaupausen von vor der vorletzten Zeiten- wende herausholen. Mit der NATO-Nord- erweiterung tauchte eine weitere Emp- findung auf, nach der die Ostsee nun ein „NATO-Meer“ sei. Ist das Mare Balticum folglich wieder umkämpft – oder nun für alle Zeiten kontrolliert? Zur rechten Zeit legt der Däne Peter Bogason, emeritierter Profes- sor für Sozialwissenschaften an der Univer- sität von Roskilde, ein wichtiges Buch vor, das sicherheitspolitischen Zuspitzungen das Momentum stiehlt. Nur mit Blick auf die langen Linien, so erinnerte uns kürzlich der Osnabrücker Historiker Jochen Oltmer, lassen sich schließlich die Komplexitäten der Gegenwart erkennen.
Unter Nutzung vieler verfügbarer Quellen und Originaldokumente stellt Bogason dar, wie die NATO, die westdeutsche Bundes- marine und die dänischen Seestreitkräfte zwischen 1949 und 1989 über die Verteidi- gung der Ostseezugänge nachdachten. Die Studie ist eminent wichtig, weil sie bila- terale Arrangements, Kommandostruktu- ren, strategische und operative Gedanken sowie die Genese der maritimen Koopera- tion zwischen Kopenhagen und Bonn erst- mals in diesem Umfang ausleuchtet. Für Politik, Streitkräfte, Wissenschaft und dort, wo über strategische Probleme im Ostsee- raum gedacht wird, ist das Buch daher eine sehr sinnvolle Anschaffung. Auch Zeitzeu- gen werden sich in dem 622 Seiten dicken, reichlich bebilderten Kompendium so man-
Oceanum Spezial. Hafen Hamburg, Oceanum Verlag, ISBN 978-3-86927- 621-2, € 19,90
Schon das Titelbild von Lars-Kristian Brandt macht neugierig auf mehr. Es zeigt den Con- tainerterminal Burchardkai, den größten im Hamburger Hafen. Auf 176 Seiten erfährt man unglaublich viel über das deutsche Tor zur Welt. Neben kurzweiligen Geschich- ten zu aktuellen und historischen Themen finden sich spannende und durchaus kriti- sche Reportagen und viele aufschlussrei- che Fotos.
Besonders interessant fand ich das Thema „Hamburgs Hafen nur noch 2. Liga“ von Harald Focke, der vor allem den ehema- ligen Direktor des Hamburgischen Welt- wirtschaftsinstitutes Prof. Dr. Hennig Vöpel zitiert. Kritisiert wird u.a., dass die Arbeits- abläufe nicht die besten seien, die Wirkung der Elbvertiefung bereits verpufft, die Lage weit im Binnenland nachteilig sei und die Politiker den Ernst der Lage nicht erkannt hätten. Um zukunftsfähig zu bleiben, soll- ten neue Industrien angesiedelt werden, damit hochwertige Wertschöpfung, tech- nische Innovationen und damit sichere Arbeitsplätze nach Hamburg kämen. Wer sich mehr für Geschichte als für Wirt- schaft interessiert, wird ebenso fündig. So schreibt u.a. Lars-Kristian Brandt über die ersten Containerschiffe des Norddeut- schen Lloyd und der Hapag im Jahre 1968 und Kapitän Rüdiger von Ancken über seine Zeit als Ladungsoffizier in den 1980er-Jah- ren.
Rundum gelungen, instruktiv und lesens- wert für maritim Interessierte und dabei noch wirklich preiswert. ws
ches Mal wiederfinden.
Sebastian Bruns
Leinen los! 12/2023 49


































































































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