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Über Geschiebe und Findlinge
Geschiebe kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und einteilen:
01 Die Größe mit Volumen und Gewicht.
02 die Zusammensetzung, Kristallin- oder Sedimentgeschiebe
03 die Herkunft,
Korngröße 2-20 mm, Fein- und Mittelkies,
Kleingeschiebe 6 cm, Kies und Steine
Klein- und Grobgeschiebe bei 20 cm,
Blöcke, die mit einer Länge von 2 m und mehr betragen, werden als Großgeschiebe eingeführt. Entspricht dem Gewicht von 5 t.
Findlinge mit einer Länge von 10 m und mehr, oder einen Umfang von über 30 m werden als Großblöcke (RAUKAS 1992) bezeichnet,
deren Untergrenze bei 200 m3, oder 500 t liegt. Diese sind für den südlichen Bereich der Ostseeküste von Bedeutung, da dort riesige
Findlinge vorkommen.
Riesengeschiebe ist die bessere Bezeichnung statt Großblöcke.
Die wohl größten Findlinge des mittel- und nordeuropäischen Vereisungsgebietes liegen in Estland. RAUKAS beschreibt aus der Gegend
von Tallin einen Pegmatit mit 930 m3 Inhalt, das sind 2450 t.
Und einen Rapakivi Findling mit einem Volumen von 730 m3 ca. 1900 t. Es gibt weitere Schwergewichte in Polen, Göhren, Altentreptow,
Fürstenwalde und der Findling Großer Stein in RahdenTonnenheide und im Münsterland bei Niedern Horstmar.
Neben den gewaltigen Gesteinsblöcken gibt es größere vom Eis verfrachtete Gesteinskörper, die aus riesigen Schollen junger
Sedimentabfolgen bestehen. Sie wurde in gefrorenem Zustand über große Entfernungen verlagert.
Die bisher größte Scholle wurde im Samland1911 entdeckt. Sie hat die Ausmaße von 4x2 km und einer Dicke von 14-20 m hatte.
Sie besteht aus Glaukonit Sanden und Tonen des Tertiärs und wurde ca. 4 km verschoben.
Noch eine weitaus größere Scholle von 10x4 km und einer Dicke von 50 m die aus dem Inlandeis gestauchten, sandigen und tonigen
Ablagerungen des Pleistozäns und Tertiärs besteht, wird bei Oldenzaal in der Provinz Twente vermutet. Bei der Verlagerung wurde die
Scholle anscheinend rotiert, wobei Transportweiten bis zu 20 km angenommen werden. Bei einem Teil ist ein Schollencharakter
nachgewiesen worden van den Berg & Den Otter 1993.
Anto Raukas, geb. 17.2.1935 (Estnischer Geologe) prägte das Wort ‚GROSSBLÖCKE‘.
Jedoch die Bezeichnung RIESENGESCHIEBE ist im Umlauf.