Page 219 - Soziale Beziehungen, unter die Lupe genommen! 2019
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Scheidung und Trennung
In Ländern, die ihre Scheidungsgesetze gelockert ha-
ben, steigt die Zahl der Trennungen bis zu einer Schei-
dungsrate von 50 Prozent ständig an. Vielfach brechen
Familien dadurch auseinander, dass Elternteile oder auch
Kinder einfach weggehen: So schätzt man, dass es in den
Vereinigten Staaten gegenwärtig etwa eine Million Kin-
der gibt, die von zu Hause weggelaufen sind, und insge-
samt acht Millionen »weggelaufene« Väter. Es ist also
äußerst schwierig, ein intaktes Familienleben zu führen.
Dabei ist allerdings umstritten, ob die derzeitigen Trends
tatsächlich auf wachsende familiäre Probleme hinwei-
sen, oder ob die Partner einfach weniger als früher bereit
sind, in einer Beziehung zu verharren, die sie als unbe-
friedigend empfinden.
Kaum eine Trennung verläuft ohne Schmerz, Kummer
und Ungerechtigkeiten. Die Zahl der Paare, denen es
gelingt, sich einvernehmlich scheiden zu lassen bzw. zu
trennen, steigt zwar, ist aber immer noch verschwindend
gering. .
Oft berücksichtigen Erwachsene bei einer Scheidung
nicht die Empfindungen ihrer Kinder. Viele denken,
Kinder würden die betrüblichen Szenen, denen sie viel-
leicht ausgesetzt sind, entweder nicht begreifen oder sich
später nicht daran erinnern. Die Wahrheit ist, dass sich
eine Scheidung schädlich auf die geistige Gesundheit
eines Kindes auswirken kann. Kinder leiden besonders
dann unter einer Trennung, wenn sie die Gründe nicht
begreifen, wenn sie sich in irgendeiner Weise daran
schuldig fühlen oder wenn Vater und Mutter versuchen,
das Kind negativ gegen den jeweils anderen Elternteil zu
beeinflussen.
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