Page 54 - DiVin022017
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Städtchen Jabugo. Seit Langem ist es ein Synonym für feinsten Iberico-Schinken.
Es sind vor allem Eicheln, die dem Schinken seinen guten Ge- schmack geben. Zwischen Ok- tober und Februar kullern sie von den Bäumen, den Steineichen. In dieser Eichel-Zeit, der sogenann- ten Montanera, schlagen sich die Schweine damit den Bauch voll - der dicker und dicker wird. Wiegt ein Iberico-Schwein zu Beginn der Montanera noch 90 Kilo, kann es an deren Ende schon mal 160 Kilo auf die Waage bringen. Mit Schweins- galopp ist irgendwann nichts mehr.
Viel Geld verdienen mit Geduld
Dieses Schmatzen ist rund 200.000 Euro wert. Denn jedes der 20 Schweine, die hier über ei- nen Haufen Bio-Getreide herfallen, ist etwa 10.000 Euro schwer. Sie gehören einer besonderen Rasse an, dem Manchado de Jabugo.
„Das ist der Rolls Royce des Ibe- rico-Schweins”, sagt Eduardo Do-
nato. Der Schweinezüchter hat die Rasse vor ein paar Jahren entdeckt. Sie könnten ihm tatsächlich einen Rolls Royce einbringen. Allerdings: Mit einer Luxuslimousine könnte Eduardo in diesem Terrain wenig anfangen.
Acht Kilometer holpriger Wald- weg führen zu dem, was Eduardo sein „Paradies” nennt. Und das mit Recht: Die Finca Maladúa ist ein 700 Hektar großes Stück Land,
Die Zeit lässt das Schwein reifen wie einen guten Wein. Das lohnt sich.
inmitten der Hügel der Sierra von Huelva. Sanfte Hügel gespickt mit Korkeichen, Steineichen und Oli- venbäumen. 170 Schweine dürfen sich hier grunzend durch die Bü- sche schlagen. Außerdem besitzt Eduardo gut 30 Ferkel. Die haben aber alle noch Ausgangssperre. Eduardo öffnet die Tür zum Stall:
„Die sind höchstens eine Wo-
che alt”, sagt Eduardo. Und lächelt stolz. Die Ferkel trinken gerade. Wie kleine Saugnäpfe hängen ihre Rüssel an den Zitzen ihre Mutter, zitternd saugen sie die Milch in sich ein. In drei Jahren werden ihre kleinen Hinterbeine große Stampfer sein - und für unglaubliche 4100 Euro den Besitzer wechseln. Edu- ardo verkauft den teuersten Schin- ken der Welt. Damit ist er gerade ins Guinness-Buch der Rekorde gekommen.
Als der Katalane vor knapp 30 Jahren nach Andalusien kam, züchtete er zunächst normale Ibe- rico-Schweine. Vor zehn Jahren fing er dann an, sich den Man- chado-Schweinen zu widmen. Anders als ein typisches Iberi- co-Schwein sind Manchados aber nicht schwarz, sondern braun, ge- sprenkelt mit schwarzen Flecken. Bei den Züchtern keine beliebte Rasse. Nicht wegen des Ausse- hens, sondern wegen des Geldes. Ein normales Iberico-Schwein kann schon nach 18 Monaten ge- schlachtet werden - beim Man-
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