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Geschichte
Kiel aufgelöst, und es entstand am glei- chen Ort eine neue Wasserstraßen-, später Wasser- und Schifffahrtsdirek- tion. Geltungsbereiche und Aufgaben der Ämter im Kanal wurden kaum ver- ändert.
Ein neuer Krieg und Wiederaufbau
Der Zweite Weltkrieg, der am 1. Septem- ber 1939 ausbrach, hatte sich schon lan- ge vor diesem Datum angekündigt, auch was den Kaiser-Wilhelm-Kanal betraf. So hatte zum Beispiel Winston Churchill am 29. Oktober 1938, zu dieser Zeit ohne po-
23. August passierte kein französisches und polnisches Schiff mehr den Kanal, am 24. August das letzte britische. Während des Krieges blieb der Kanal dann durchgehend befahrbar, allerdings mit kriegsbedingten Einschränkungen. Das waren einerseits notwendige Siche- rungsmaßnahmen, wie das Abblenden der Lichtquellen auf den Schiffen oder das Abschalten der Kanalbeleuchtung, und andererseits direkte Einwirkungen durch feindliche Angriffe durch Minen oder Bomben. Hindernisse durch ha- varierte oder in die Böschung geratene Schiffe konnten relativ rasch beseitigt werden. Nicht zuletzt halfen dabei die 1941 von der Kriegsmarine in Auftrag ge- gebenen, 1943 abgelieferten und später der Bugsier-Reederei übertragenen be- rühmt gewordenen Hebeschiffe eNerGie und ausdauer (jeweils 1.870 BRT). Für die Kriegsmarine war die gesicherte Passage des Kaiser-Wilhelm-Kanals von höchster Bedeutung, bildeten die an beiden Küs- ten gelegenen Häfen und Stützpunkte sowie Ausbildungseinrichtungen und -gebiete nur so eine Einheit.
Insgesamt gesehen waren der Kanal, seine Schleusen, Hafenanlagen, Brü- cken und technischen Einrichtungen bei Kriegsende im Mai 1945 weitgehend er- halten geblieben, was seinen Weiter- betrieb begünstigte. Das sah auch die nun für ihn zuständige britische Militär- regierung ein, die alle für den Wasser- weg verantwortlichen deutschen Dienst- stellen ungehindert weiterarbeiten ließ. Die Struktur der Verwaltung blieb unver- ändert, der Namen nicht. Er wurde auf Veranlassung der Militärbehörden wie-
Linienschiff BraunscHWeig bei der Kanalpassage
der in „Nord-Ostsee-Kanal“ geändert. Im internationalen Sprachgebrauch war er schlicht der „Kiel Canal“.
Aktuell gibt es viel zu tun
Die Verantwortung für den Kanal liegt heute beim Bundesverkehrsministerium. Diesem untersteht die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, und als deren Unterbehörden sind die Wasser- und Schifffahrtsämter Kiel-Holtenau und Brunsbüttel für den östlichen bzw. west- lichen Teil des Kanals einschließlich der jeweiligen Schleusenanlagen zustän- dig. Sie leiten den Verkehr und den nau- tischen Betrieb. Die Grenze liegt etwa bei Rendsburg.
Geblieben sind über alle Zeiten die Not- wendigkeit und das daraus resultieren- de Bestreben, den Kanal der Entwick- lung der Schifffahrt anzupassen. Mit an- deren Worten, er musste ständig aus- gebaut werden. Bereits vor Ausbruch des Krieges (1938) hatte es Pläne für ei- ne großzügige Erweiterung und Vertie- fung gegeben. Mit einem Kostenauf- wand von 511 Mio. Reichsmark sollte er auf 165 m verbreitert und auf 13 m ver- tieft werden. Kurvenbegradigungen wa- ren ebenso vorgesehen wie der Bau neu- er Großschleusen. Daraus war aus be- kannten Gründen nichts geworden. Aber die Aufgaben blieben – auch im „Klei- nen“, wie etwa die Instandhaltung der Böschungsbefestigungen. Zunehmende Aufmerksamkeit erforderten die, wie es geschönt heißt „in die Jahre gekomme- nen“ Schleusenanlagen auf beiden Sei- ten. Sie fielen wegen „altersbedingter“ Schäden an der Technik immer häufiger aus und verursachten dadurch für viele
Während des strengen Winters 1928/29 hilft der russische Eisbrecher Jermak den Kanal für den Verkehr freizuhalten
litische Ämter, in einer Notiz an den bri- tischen Minister of Coordination of De- fence, Thomas Inskip, angeregt, den Ka- nal im Falle eines Krieges mit Minen oder gezielten Luftangriffen unpassierbar zu machen, um die Gefahr der Verlegung deutscher Kriegsschiffe von der Ost- in die Nordsee einzudämmen. Nach dem
Die Kaiseryacht HoHenzoLLern passiert die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke 50 Leinen los! 7-8/2020
Foto: IMMD
Foto: Archiv hjw
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