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Geschichte
Bauzeichnung der silvia
nicht. Denn 1914 wurde Kiautschou mit britischer Unterstützung von den Japa- nern annektiert, die vorausgegangenen monatelangen Kämpfe um die auch mit Mitgliedern der Cuxhavener Matrosen- Artillerie bemannten Festung Tsingtau verliefen für die deutsche Seite nicht ohne Verluste. 7
Anmerkung des Verfassers: Um der besseren Lesbarkeit willen wurden die Zitate aus Josef Kramls Tagebuch orthografisch an den heutigen Standard angepasst.
Abbildungsnachweis:
Foto Dampfschiff Silvia: mit freundlicher Genehmigung der Helmut Weitze Mili- tärische Antiquitäten KG, Hamburg Bauzeichnung S.S. Silvia 1901, Bau-Nr. 204: mit freundlicher Genehmigung der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG, Flensburg
Historische Abbildungen Tsingtau aus: Unser Kaiser. Fünfundzwanzig Jahre der Regierung Kaiser Wilhelm II., 1888-1913, Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1913 Historische Abbildungen Wilhelms- haven aus: Victor Laverrenz, Deutsch- lands Kriegsflotte. Eine Darstellung der Entwicklung und des gegenwärti- gen Bestandes der gesamten Reichsma- rine, ihrer Organisation und ihres Mate- rials. Verlag von Friedrich Kirchner, Erfurt und Leipzig 1906
Historische Postkarte Cuxhaven, Foto Matrosenvereidigung Cuxhaven 1910 und Farbfotos der heutigen Stadt (Bahn- hof Cuxhaven, Gedenkstein Batterie Thomsen, Fort Kugelbake): Privatarchiv von Klewitz
Tsingtau um die Jahrhundertwende
verbrachte man mit Vorbereitungen für die Ankunft. Das Schiff allerdings konnte nicht, wie beabsichtigt, am 1. März abends in Tsingtau einlaufen, da es erst um 19 Uhr die Kiautschou-Bucht erreichte, das Hafen- gesetz aber eine Einfahrt um diese Zeit nicht mehr erlaubte. So verbrachte man die letzte Nacht auf offener See. Am Mon- tag, den 2. März um 4 Uhr morgens lichtete man schließlich das letzte Mal Anker und stand zwei Stunden später vor der enge- ren Einfahrt der Bucht. Wie Kraml und seine Kameradennach52-tägigerReiseinTsing- tau empfangen wurden, ist in seinen Auf- zeichnungen nachzulesen:
„Eine große Menge neugieriger Euro- päer, wie Chinesen, u. Deputation ein- zelner Truppenabteilungen, so wie 2 Musikkapellen hatten zum Empfang am Quai Aufstellung genommen u. begrüß- ten uns mit einem lebhaften Marsch. Unterdessen traten die Schiffskräne in Tätigkeit, desgleichen wurden die Ver- ladebrücken aufgelegt, zwecks raschen Löschens des Dampfers. Nachdem unsere Güter auf die bereitstehenden Lastfuhrwerke verladen waren, wurde Aufstellung zum Einzug in unsre Kaser- nements genommen. Unter brausen- dem Klang u. Spiel bewegten sich unsre Truppen durch die Straßen Tapetau’s u. Tsingtau, woselbst wir seitens der anwe- senden Bevölkerung freudig empfangen wurden . . .“
Die Freude wurde allerdings durch meh- rere Todesfälle getrübt. Insgesamt drei Mann, so berichtet Kraml, seien während und nach der Überfahrt gestorben, zudem hätte einer die Sprache verloren, und viele lägen krank im Lazarett. Was aus ihm selbst geworden ist und wie er seine Zeit in China verbrachte, verrät das Tagebuch nicht. Üblicherweise leisteten Angehörige der Matrosen-Stammabteilung Kiautschou zwei Jahre Wehrdienst vor Ort, danach erfolgte nach der Ablösung die Heimreise. ObKramlzuBeginndesErstenWeltkrie- ges noch einmal in Ostasien war, ist nicht bekannt. Wünschen möchte man es ihm
30 Leinen los! 10/2022
Der Hafen und die Schleuse in Wilhelmshaven

