Page 26 - Volksdorfer Zeitung
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Brigitte Eckert-von Holst und Karin von Behr im Gespräch über das beeindruckende Scha en einer erfolgreichen Architektin.
Kirchen sind ihre Kinder
LEBENSLÄUFE
Brigitte Eckert-von Holst, die Architektin von St. Gabriel
VON KARIN VON BEHR
Im kommenden Jahr –
2017 - jährt sich Brigit- te Eckert-von Holsts erfolg- reichste Lebensphase zum 50. Mal. Zwei ihrer Gotteshäu- ser, die Cantate-Kirche in Du- venstedt und die Bethlehemkir- che in Witzhave wurden 1967 geweiht. Sie nimmt an Wettbe- werben für eine Kirche in Braak, das Hamburger Geomatikum (4. Preis) und das Postzent- rum in der City Nord teil. 1967 beginnt der Bau von St. Gabri- el , ihrer – liturgisch gesehen – schönsten und wichtigsten Kir- che. Sie heiratet den Volksdor- fer Kantor und Musikpädago- gen Ortwin von Holst, sie baut und bezieht mit ihm das eigene Architektenhaus in Duvenstedt. Die Hochzeit ndet, kurz nach der Weihe, in „ihrer“ selbst ge-
bauten Kirche, der Cantate-Kir- che in Duvenstedt, statt. Sie ist 34 Jahre alt.
Im privaten Innersten
ihres Naturtempels
Auf meinen Besuch in ihrem weißen Atrium-Haus am Rand eines Naturschutzgebiets hat
sie sich sorgfältig vorberei- tet. Eine handschriftliche Liste führt alle Bauvorhaben, Wett- bewerbe und realisierten Bau- ten auf. Sie führt mich zuerst in ein sehr großes Wohnzimmer, in dem zu Zeiten der Hauskon- zerte 40 – 50 Personen Platz fanden. Durch die große Pano- ramascheibe gerät der Blick di- rekt in den Wald. Wer hier Platz nimmt, sitzt im Wald. Mit Vö- geln und Eichhörnchen.
Ein schmaler Gang lenkt ins private Innerste dieses Na- turtempels, Bücher, Schreib-
tisch, zwei kleine Stühle mit Teetisch, Lehnliege, Blick in den blumenreichen Innenhof. Das 2000 qm große Grund- stück hat vier gestaltete Gärten: Vorgarten, Innenhof, Waldgar- ten und Obstgarten.
Auch das lang gestreck- te Haus ist streng nach Funk- tionsbereichen gestaffelt: Ga- rage, Musikerwohnung Ort- win von Holst. Mitarbeiterbe- reich im Souterrain, Arbeits- und Rückzugsraum für die Architektin, Wohn- und Kon- zertsaal für zwei Menschen, die unterschiedlichen Genera- tionen angehören. Ortwin von Holst, Jahrgang 1901, in St. Pe- tersburg geboren und Brigitte Eckert, vom dritten Lebensjahr an im Volksdorferr Elternhaus am Eichenremen aufgewach- sen, Abitur 1953 an der Wald- dörfer-Schule, Studium an der
Hamburger Hochschule für Bil- dende Künste von 1953-1959. Die Berufsarbeit begann sie als Angestellte in zwei renommier- ten Architekturbüros: bei Dr. Matthaei und Schramm & Elin- gius.
Nebenher nahm die jun- ge ehrgeizige Architektin an Wettbewerben teil. Am Kapel- lenwettbewerb Schleswig-Hol- stein, der Ausschreibung Gym- nasium Lüneburg, Ingenieur- schule Bremerhaven. Beim bun- desoffenen Wettbewerb zum Theater Darmstadt gewann sie den 5. Preis. Die Wettbewerbs- tätigkeit auf eigene Faust führ- te zur Entlassung aus dem An- gestelltenverhältnis. 1962 ent- schied sich Brigitte Eckert – ohne Auftrag und Sicherheit – für die Selbständigkeit. 1963 erhielt sie den ersten großen Auftrag: den Bau der Lukas-
26 VolksdorferZeitung November 2016