Page 202 - Soziale Beziehungen, unter die Lupe genommen! 2019
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rechtigte: Sie befinden sich auf derselben Ebene und ha-
ben prinzipiell denselben Status. Das Eltern-Kind-
Verhältnis ist dagegen gewöhnlich hierarchisch. Ge-
schwister können intime, offene und vertrauensvolle Be-
ziehungen entwickeln. Im Allgemeinen ist die Angst vor
Bestrafung, Missbilligung, Vergeltungsmaßnahmen und
Kritik geringer als in einer hierarchischen Beziehung.
Während sich Elterngespräche meist auf die prakti-
schen Aspekte des Lebens konzentrieren, z. B. Anzie-
hen, Essenszeiten und Waschen, sind Unterhaltungen
unter Geschwistern eher spielerisch, humorvoll und fan-
tasiegeleitet. Je mehr Kinder in einer Familie leben, des-
to seltener werden die Eltern in ihre Spiele eingeweiht.
Geschwister können ihre Gedanken und Gefühle auf
gleichberechtigter Ebene austauschen und zwar in einer
Weise, wie sie es mit den Eltern wahrscheinlich nicht
täten. Diese »alternativen« Formen der Interaktion ver-
größern die emotionale Ausdrucksfähigkeit — das Kind
lernt, seine Welt spielerisch zu erforschen, einen Ein-
blick in die Gefühle und Reaktionen Gleichaltriger zu
gewinnen und sich in sie hineinzuversetzen.
Fürsorglichkeit
Gewöhnlich sind Kinder gern bereit, sich um ihre jün-
geren Geschwister zu kümmern. Dies lässt sich noch
verstärken, indem man die Gefühle und Bedürfnisse des
Geschwisterchens mit dem Kind bespricht. Auf diese
Weise werden Empathie (Einfühlungsvermögen) und
Selbstwertgefühl gefördert.
Oft können Kleinkinder von zwei oder drei Jahren
schon genau den Gesichtsausdruck und die Laute ihrer
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