Page 204 - Soziale Beziehungen, unter die Lupe genommen! 2019
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Persönliche Grenzen: Wie viel Privatsphäre und Auto-
        nomie besitzt ein Kind? Wer übt Autorität über das
        Kind aus? Haben ältere Geschwister manchmal die Be-
        fehlsgewalt? Ist die Machtverteilung für alle Familien-
        mitglieder akzeptabel?
         Durch ihre Interaktion mit Geschwistern lernen Kin-
       der, Konflikte zu lösen. Es hängt weitgehend von der
       Familiendynamik ab, ob sie dies verbal, mit körperlicher
       Aggression oder durch Rückgriff auf elterliche Interven-
       tion tun. Kinder in zerstrittenen oder geschiedenen Fami-
       lien neigen zu Kämpfen.
         Körperliche Zusammenstöße bei jüngeren Kindern
       kommen gehäuft vor, wenn das jüngere Kind etwa acht
       bis zwölf Monate alt ist. In diesem Alter werden die
       Kinder beweglicher und ihre motorischen Fähigkeiten,
       z.B. das Festhalten von Gegenständen, sind besser aus-
       gebildet. So können sie die spielerischen Aktivitäten ih-
       rer älteren Geschwister stören, was dann zu Streit führt.
         Auch andere Entwicklungsstadien bei jüngeren Ge-
       schwistern, wie z.B. Sprechen- lernen, können die Kon-
       flikte verstärken. Wenn ein Kind sprechen lernt, kann es
       sich nicht nur auf Wortgefechte mit älteren Geschwis-
       tern einlassen, es kann auch die Aufmerksamkeit der El-
       tern auf das Fehlverhalten der Geschwister lenken.


                      Gegenseitige Unterstützung
         Geschwister dienen nicht nur als soziale und psycho-
       logische Vorbilder; sie können einander auch praktische
       Hilfe und Anleitung geben. Ältere Geschwister können
       den Kleineren z. B. beim Essen, Waschen und Anziehen
       helfen. Geschwister geben sich gegenseitig oft Ratschlä-
       ge. Sie können einander z.B. vor der schlechten Laune

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