Page 43 - LL_10_2020
P. 43
Geschichte
In ewigem Andenken
Die Schlacht von Trafalgar im Oktober 1805
Jann M. Witt
Am 21. Oktober 1805 fiel der engli- sche Admiral Horatio Lord Nelson in der Seeschlacht von Trafalgar. Er starb in dem Moment, als er seinem Ziel, der vollständigen Vernichtung der französi- schen Seemacht, so nahe wie möglich gekommen war.
Am 16. Mai 1803 hatte Großbritannien der französischen Republik den Krieg erklärt. Nur ein knappes Jahr zuvor, im März 1802, hatten Briten und Franzosen nach neun Jahren Krieg den Frieden von Amiens geschlossen. Doch dieser Frie- den stand von Anfang an auf wackeli- gen Füßen. In Napoleons Augen war der Friedensschluss lediglich ein Waffenstill- stand. Er hatte die Atempause daher in
schen Stützpunkte Malta und Gibraltar zu schützen.
Horatio Nelson war am 29. September 1758 in Burnham Thorpe in der engli- schen Grafschaft Norfolk als Sohn ei- nes einfachen Landpfarrers geboren worden. Im Alter von zwölf Jahren hat- te er seine Marinelaufbahn als Offizier- anwärter begonnen. Wie viele seiner Offizierkameraden war auch Nelson am Beginn seiner Karriere durch Ver- wandte und Bekannte gefördert wor- den. Dennoch verdankte er seinen ra- schen beruflichen Aufstieg vor allem seiner Tüchtigkeit. 1778, mit knapp 20 Jahren, war Nelson zum Kapitän zur See befördert worden; 1797 hatte ihn die bri-
Der Seeheld Horatio Lord Nelson
Während Nelson mit seinen Schiffen un- ermüdlich vor der französischen Mittel- meerküste kreuzte und die französische Flotte im Auge behielt, sammelte sich bei Boulogne Napoleons Grande Armée. Angesichts seines strategischen Dilem- mas – zu Lande unbesiegbar, auf See un- terlegen – hatte Bonaparte beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und eine Landung an der englischen Küste zu wa- gen. Für ihn war die Verlockung zu groß, den Krieg mit einem Schlag zu gewinnen und sich zum unumschränkten Herrscher Europas aufzuschwingen: „Sie möchten, dass wir über die Pfütze springen, und wir werden es tun“, hatte Bonaparte er- klärt und befohlen, die Invasion Englands vorzubereiten.
Am 30. März 1805 gelang der französi- schen Mittelmeerflotte unter dem Kom- mando von Admiral Pierre Charles Ville- neuve unerwartet der Ausbruch aus dem Hafen von Toulon. Dahinter stand der wohl kühnste Plan, den Napoleon je er- sonnen hatte: Villeneuve sollte die Briten über den Atlantik locken, um dann nach Europa zurückzukehren, überraschend im Ärmelkanal zu erscheinen und dort die Seeherrschaft zu erringen. Dies hät- te dem Kaiser der Franzosen ermöglicht, mit seiner bei Boulogne versammelten Streitmacht ungestört den Ärmelkanal zu überqueren und in England zu lan-
Die Schlacht von Trafalgar
erster Linie zur Konsolidierung seiner Macht genutzt. Angesichts seiner wie- derholten Verstöße gegen die Bestim- mungen des Friedensvertrags hatte die britische Regierung schließlich keine an- dere Wahl mehr gesehen, als die Feind- seligkeiten wieder aufzunehmen. Gleich bei Wiederausbruch des Krie- ges war Vizeadmiral Lord Nelson zum Oberbefehlshaber der Mittelmeerflot- te ernannt worden. Seine Aufgabe war es, die britische Seeherrschaft im Mittel- meer zu sichern und die wichtigen briti-
tische Admiralität zum Admiral ernannt. Sein erster großer Erfolg als Flottenchef war der Sieg über die französische Flot- te in der Schlacht von Aboukir vor der ägyptischen Küste im Jahre 1798. Die- ser Sieg bedeutete das Ende der hoch- fliegenden Pläne Napoleons, das eng- lische Weltreich in Indien zu besiegen. Auf den militärischen Erfolg folgte der gesellschaftliche Aufstieg: Nach seinem Sieg bei Aboukir hatte ihn der englische König Georg III. in den erblichen Adels- stand erhoben.
Leinen los! 10/2020 43
Gemälde: William Clarkson Stanfield/Wikipedia
Foto: Wikipedia