Page 24 - Die Seuche
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12. Eingeforderte Gefallen
Der Burgvogt der Festung Klippfang, Benedikt Feuerstein, ließ seinen Blick über die Dächer
seiner Stadt schweifen. Schnellwasser lag still da, hier und da hallte das Hämmern des
Schmiedes und das Treiben von Handwerkern zwischen den Fassaden hindurch. Banner
mit grünem Kristall wehten im Wind, seufzend streckte sich Benedikt. Es waren bereits
einige Götterläufe her, seit sie Vasallen Jarikswalls wurden und die Kurfürstin von Varul
Schnellwasser in ihre Lande eingliederte. Der Handel florierte und die Kristallstadt stellte
ihnen einige Schiffe bereit, auch die Armee zur Unterstützung in Krisenzeiten wurden ihm
zugesichert. Nun aber war er in der Situation, ihnen zur Hilfe kommen zu müssen. Vor
einigen Wochen klopfte ein Bote aus Jarikswall an seinen Toren und ein versiegeltes
Schreiben wurde ihm übergeben. Ein Ruf nach Unterstützung, nicht gegen einen Feind von
Außen, sondern einer aus den eigenen Reihen. Eine Seuche griff in der dekadenten Stadt
um sich, welche den Ausnahmezustand und eine totale Ausgangssperre ausgerufen hatte.
Keiner kommt rein oder raus ohne der Erlaubnis Graugrunds, dem Bronzenen, um eine
Ausbreitung in die Umlande zu unterbinden. Ein großer Teil der Truppen Benedikt
Feuersteins sicherten den einzigen Zugang zur Kristallstadt, die restlichen zwei Haupttore
wurden manipuliert, die Ketten der Fallgitter zerstört, damit kaum mehr Fluchtmöglichkeiten
bestehen. Der Burgvogt musste kurz schmunzeln. Irgendwie ironisch, der einzig
funktionierende Durchgang zur Stadt bietet einen schönen Ausblick auf die unverschämt
gigantische Statue des Seuchenprinzen Nymrakals. Die Anweisungen im Brief, signiert vom
Übergangsrat unter Graugrund, waren deutlich. Sie sollten die Landwege sichern, ein paar
ihrer kampfähigen Schiffe sollten den Zugang zum Hafen Schnellwassers weiterhin sicher
stellen, während sich der Rest der Leviathan in der Meerenge Jarikswalls gesellt um jedes
Schiff ohne Befugnis auf den Grund des Meeres zu jagen. Natürlich erfüllte es Benedikt
Feuerstein mit etwas Stolz, der Kristallstadt dienlich sein zu können, und doch verunsicherte
der letzte Satz ihn. “Selbst wenn das Klirren von Schwertern, die Schmerzensschreie von
Männern und Frauen und das Geräusch der Totenglocke Sterbender an die Ohren Eurer
Soldaten dringen sollte, sie müssen die Stellung vor den Toren halten und dürfen die Stadt
nicht betreten. Es wird eine Schlacht geben.” Der Burgvogt richtete sein sorgenvolles
Gesicht in die Richtung Jarikswalls und betete für seine Soldaten.