Page 29 - Die Seuche
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von einem zum nächsten Augenblick in seinem Leben springen zu lassen, ehe der Schlund
               ihn vollkommen verschluckt hatte und der unnachgiebige Steinboden ihm mit einem
               matschenden Geräusch ein Ende setze.


















               Die Schlacht war noch im vollen Gange, und doch war ihr Ausgang bereits Gewiss. Amarah
               lehnte an einer Säule des Palastes und rümpfte die Nase. Der Gestank nach Blut und Tod
               wurde vom Wind heran getragen, und ohne sehen zu können hatte sie beste Vorstellungen
               davon, wie ihre schöne Stadt mit Blut besudelt wurde. Ein Elf in leichter Rüstung mit
               unzähligen Verzierungen trat an sie heran und machte sich mit einem leisen Räuspern
               bemerkbar. “Es sieht nicht gut für uns aus, liebste Schwester. Wenn wir jetzt nicht handeln,
               siegen die Aufständischen und brennen unseren Palast nieder.”, setzte Allanor der Stille ein
               Ende. Sie seufzte. “Ich teile unsere Reichtümer ungern mit solchen Barbaren”. “Ich weiß. Es
               widerstrebt mir ebenso”, Der hochgewachsene Elf betrachtete Amarah, suchte in ihrem
               Gesicht nach Regung. Sie starrte ausdruckslos der Sonne entgegen, die schwach und
               kraftlos versuchte, durch den Nebel zu dringen. “Wenn es notwendig ist, Allanor, dann gibt
               ihm halt, was er will”. So viel Abscheu in solch einer zarten Stimme. Der Elf öffnete den
               Käfig, der zu seinen Füßen stand und ein Rabe erhob sich augenblicklich in die Lüfte, ein
               langes rotes Band flatterte an seinen Beinen. Mit einem Sturzflug nahm er Fahrt auf,
               überflog die Stadtmauern, die alle Viertel voneinander trennten und war in wenigen
               Augenblicken über dem Schlachtfeld, wo er sich krächzend bemerkbar machte. Gautekr, der
               gerade Rücken an Rücken mit Reinhold mitten im Schlachtgetummel stand, und mit dem
               aufständischen Hauptmann Hems Männer nieder streckte, hielt inne, blinzelte durch den
               Nebel nach oben. Das rote Band durchzuckte die weiße Wand wie eine Schlange, die durch
               einen trüben Teich schwam. Der Anführer der Wikinger löste ein Horn von seinem Gürtel
               und bließ kraftvoll hinein, das donnernden Gröllen halte zwischen den Häuserschluchten
               hindurch und überschwemmte den ganzen Kristallplatz, lähmte ihn für wenige Augenblicke.
               Verwirrt drehte sich Reinhold um und sah ihn fragend an. Bevor er den Mund auch nur zu
               einer Frage öffnen konnte, schlug Gautekr ihm die Axt in den Hals. Die entsetzte Stimme
               des Hauptmanns wurde hoch und schrill: “Du Verräterschwein, warum?”. Der Jomswikinger
               bretterte dem Aufständischen sein Schild in das Gesicht und trat ihm seitlich in das Knie.
               Schwer atmend kniete Reinhold vor ihm, immer noch Unverständnis in seinen Augen. “Die
               Elfen haben gerade eure Bezahlung überboten”. Der bärtige Hühne kam näher. “Ich nehme
               euer Geld, und das der Mirilan auch”, dabei zog er seine Axt aus dem Fleisch und holte zum
               Schlag damit aus. Stechende Hitze breitete sich plötzlich von seiner Schulter aus, ein
               Pfeilschaft ragte aus seinem Rücken. Er fuhr ruckartig herum und schleuderte die Axt dem
               Bogenschützen entgegen. Reinhold nutze die Gelegenheit und sprang auf, schlug dem
               Jomswikinger das Schwert in die Seite. Vor Zorn brüllend packte dieser den blutigen Hals
               des Hauptmanns und hob ihn von den Füßen. Röchelnd und zappelnd hing er da, die
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