Page 27 - www.Trucker.de (+Februar 2016)
P. 27
SCANIA MERCEDES
Übersichtlich und klar gegliedert: Die Scania-Arma- Ähnliche Anordnung im Actros, aber ohne Tempera-
turen, etwas verwirrende Bordcomputer-Bedienung turanzeige, der Bordcomputer bietet viele Funktionen
Mercedes-Sechszylinder nur um ein paar PS tet und das Kupplungsspiel – vor allem beim SCANIA
nachsteht. Und mit 2350 Nm liegt der DC13 ge- Anfahren – viel geschmeidiger dosiert. Die Be-
nannte Schwedenmotor in den Gängen eins bis dienung beider Getriebe über einen Hebel an
elf deutlich über dem Daimler-Vierventiler. der Lenksäule ist nahezu identisch und gestaltet
Beide Triebwerke laufen leise, erlauben sich selbsterklärend.
schaltfaules Fahren, zeigen eine gute Elastizität
und bemühen selten hohe Drehzahlen. Der DIE GPS-TEMPOMATEN SIND GARANTEN
Schweden-Sechszylinder spricht eine Idee bes- FÜR SEHR NIEDRIGE VERBRÄUCHE
ser auf Gespedalbewegungen an. In Fahrt zeigt Das Thema GPS-Tempomat, inzwischen der Ga-
dagegen der OM 471 eine minimal bessere Per- rant für niedrige Verbräuche, lösen beide Her-
formance. Weniger Verbrennungsgeräusche steller exzellent. Beim Test nutzen wir die Stan-
kommen subjektiv im Scania am Fahrer-Ohr an. dardversion von Scania, was etwa der Einstellung
Opa und Enkel sind also trotz mechanischer +/-5 km/h beim Mercedes entspricht. Damit sind
Unterschiede so unterschiedlich nicht. beide Fahrzeuge sparsam und dennoch ausrei-
Selbst der Blick auf die Verbrauchswerte chend flott unterwegs. Der Geschwindigkeits-
zeigt keine Vorteile. Der Scania verbraucht als abbau an der Kuppe ist nicht so hoch, dass nach-
SCR-Only-Motor ein wenig mehr AdBlue. Un- folgende Kollegen irritiert werden. Bei der Fahrt
term Strich stehen dann, mit anteiligem Harn- bergab zeigen sich dagegen unterschiedliche
stoff-Konsum ins Ergebnis eingerechnet, 23,58 Philosophien: Mercedes nutzt die inzwischen
l/100 km beim Actros zu Buche. Beim R sind‘s noch mal verstärkte Turbo-Motorbremse. Mit
23,82 l/100 km. Dafür umrundet der Scania die bis zu 400 kW hält sie den auf 40 Tonnen ausge-
TRUCKER-Testrunde mit 81,13 km/h, der Mer- ladenen Zug auf der Testrunde problemlos. Zu-
cedes kommt „nur“ auf 80,95 km/h – wohlwol- gegeben ist auch in dem Fall das Geräuschniveau
lend betrachtet also ein klassisches Patt. deutlich höher als im Scania. Der bemüht zur
Alles andere als Ausgewogenheit dagegen Verzögerung den neuen, verlustleistungsredu-
beim Thema Getriebe: Genau genommen gibt zierten Retarder mit noch mehr Bremsmoment.
es keine Situation, in dem Powershift von Mer- Klar, dass bei 4000 Nm nie das Gefühl nicht aus- Vorbildlich: Der sichere Frontaufstieg des R
cedes die Opticruise-Schaltbox des Scania über- reichenden Bremsmomentes aufkommt. MERCEDES
flügeln kann. Die schwedische Zahnradbox Klar wiegt der Retarder mit seinem Ölhaus-
schaltet schnell, weiß in vielen Situationen die halt und der Verrohrung knapp zwei Zentner
Stärken des Motors besser auszunutzen, indem mehr. Allerdings ist der Schwede trotzdem viel
sie länger ziehen lässt, früher wieder hochschal- leichter als der Deutsche. Und wenn‘s mal in die ▶
SCANIA MERCEDES
Mehr Klettern ist beim Actros angesagt
Bequemer, treppenförmig Eine Stufe mehr
angeordneter Einstieg über als beim Scania führt
drei Stufen beim Scania ins „Sternen-Reich“ 2/2016 Trucker 27