Page 21 - Torries
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Optional bietet Renault eine „Ruhelehne“ an Der Armaturenträger ragt weit in dem Innenraum,
der ebene Boden verbessert das Raumgefühl
Einfacher geht's bei der Optidriver-Schal-
RENAULT T tung im Renault: Hier genügt ein Tipp des rech-
ten Lenkstockhebels, um die Hochschaltung
Der Unterschätzte auszuführen. Einzig die Tatsache, dass der Hebel
Der Renault hat's nicht leicht in der dafür horizontal und nicht wie bei allen anderen
Fahrergunst. Allerdings zu Unrecht. Herstellern vertikal nach oben gedrückt werden
Mit dem großen High-Sleeper-Fahrer- muss, wird Renault-Neulinge verwirren. Mit
haus bietet er mehr Lebensraum als diesem Manöver wechselt die Elektronik auch
der Volvo. Und auch bei Fahrverhalten, gleichzeitig in den manuellen Modus, holt sich
Lenkung und Komfort sammelt der ihre Hoheit aber ebenfalls nach einigen Sekun-
Der große Kühlschrank taugt auch für die große Tour Franzose gute Noten, kommt aber den zurück, was wiederum die Rückstufung in
nicht ganz ans hohe Niveau des FH die elfte Fahrstufe zur Folge hat. Weshalb man
heran. Gewöhnung erfordert die an sich Eingriffe nach einiger Zeit resignierend ver-
mancher Stelle eigenwillige Bedie- kneift und beide Getriebe einfach machen lässt.
nung. Dafür gefällt der T mit guten Da erfreut man sich lieber an den schnellen
Ideen wie zum Beispiel dem hoch- und sauberen Gangwechseln – in diesem Punkt
klappbaren Vorderteil des oberen Bet- setzt das Volvo-Getriebe nach wie vor den Maß-
tes, das so zur sicheren Ablage wird. stab. Das noch schneller schaltende, aber eben
auch deutlich teurere Doppelkupplungsgetriebe,
Gutes Raumgefühl, ebener Kabinenbo- das Volvo optional für den FH anbietet, kann
den, passabler Fahrkomfort, hohe man sich nach unserer Meinung getrost sparen.
Schaltgeschwindigkeit, viel Stauraum
Teilweise verwirrendes Bedienkonzept, DIE VERSTÄRKTEN MOTORBREMSEN
eingeschränkter Verstellbereich von VERZÖGERN 40 TONNEN PASSABEL
Sitz und Lenkrad Das Geld würden wir lieber in GPS-Tempomaten
investieren, die in den beiden Vermietfahrzeugen
aber nicht verfügbar waren. Die GPS-Systeme
hätten auch bergab Vorteile gebracht, kämpfen
aber ab und an mit Softwareupdates, die sie auf
bestimmten Streckenabschnitten außer Gefecht
setzen können. Ebenfalls nicht verbaut war in
Im Renault muss eine den Testwagen verbauten Hinterachsüberset- beiden Testwagen ein Retarder. Die 382 kW star-
Einstiegsstufe mehr zungen (Volvo: i=2,79; Renault: i= 2,64). ken Motorbremsen – bei Volvo „Engine-Brake
überwunden werden Wer – wie wir – den Ehrgeiz entwickelt, den +“, bei Renault „Optibrake“ genannt – verzögern
letzten Tropfen Diesel einzusparen, muss im FH die 40 Tonnen passabel. Die Steuerung der kom-
die Getriebesoftware des I-Shift etwas umständ- binierten Auspuffklappen-Kompressionsmotor-
lich austricksen. Denn im Automatikmodus ver- bremse schaltet im Gefälle umgehend einen Gang
weigert das Getriebe weiterhin das Hochstufen zurück, um bei 2300 Umdrehungen die maxi-
per Knopfdruck am Wählhebel. Daher muss male Leistung zu bieten. Auf diese Weise muss-
wo in beiden Lkw die Hochschaltung erst weit dieser zunächst in den manuellen Modus gezo- ten wir lediglich in den steilen Gefällen der Test-
hinter der Kuppe erfolgt. Auch bei Landstraßen- gen werden, um den Knopf erneut zu drücken runde gelegentlich beibremsen, um das einge-
tempo 65 km/h verweigern beide Schaltungen und endlich den ersehnten zwölften Gang zu stellte Bergabtempo nicht zu überlaufen.
den zwölften Gang, obwohl es der elastische Mo- erhalten. Geht man dann allerdings wieder zu- Größere Unterschiede zwischen den beiden
tor auch mit 40 Tonnen ohne Murren vertragen rück in den Automatik-Modus, erntet man um- Konzern-Kontrahenten offenbaren sich beim
würde – zumindest in Kombination mit den in gehend die Rückschaltung in den elften Gang. Fahrverhalten. Dies ist auch ohne die optionale ▶
1/2017 Trucker 21