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DAMALS IM TRUCKER IVECO-HAUBER
Das Gespann Hauber plus Kässbohrer-Kippsattel bot knapp 28 Tonnen Nutzlast
Bulle mit Italo-Herz
Auch Iveco hatte lange Zeit Hauben-Trucks im Programm. 1989 testete
der TRUCKER einen 190-30 NT als Kippsattelzug.
eim Thema europäische Hauben-Trucks dem Tester vor allem durch seine hohe Elastizität: misch eingezogenen Cockpits, gab es im Hauber
werden die meisten Leser wahrscheinlich „Schon bei 1500 Touren geht der Motor kräftig lediglich ein gerades Blech, in das Armaturen
Ban Scanias T-Modell denken. Aber auch zur Sache und man kann die Drehzahl noch wei- und Bedienelemente willkürlich eingelassen
Iveco baute Ende der 90er-Jahre noch Lkw mit ter sinken lassen“, schrieb er. Ein Lob, das man aus waren. Auch der winzig kleine Drehzahlmesser
Haube, die allerdings vorrangig für den Baustel- heutiger Sicht, wo Lkw-Motoren in der Regel bei war damals längst nicht mehr zeitgemäß und die
leneinsatz gedacht waren. knapp 1000/min ihr volles Drehmoment bereit- auf der Baustelle wichtigen Schalter für die
Und beim 190-30 NT, der bei TRUCKER stellen, verwundert zur Kenntnis nimmt … Quersperren fanden sich schließlich am Boden
1989 zum Test vorfuhr, handelte es sich außer- zwischen Fahrersitz und Beifahrerbank.
dem um den letzten Hauber „made in Germany“. DAS HAUBEN-KONZEPT BRACHTE Sich im Iveco-Hauber als König der Land-
Schließlich war der Ulmer Traditionshersteller VORTEILE BEIM FAHRKOMFORT straße zu fühlen, fiel dem Tester daher schwer,
Magirus seit 1975 Teil der „Industrial Vehicles Auch beim Fahrverhalten konnte der Iveco punk- weshalb er die Bezeichnung „liebenswerter Sau-
Corporation“ (Iveco), hatte den Hauber 1971 ten. Schließlich saß der Fahrer im Hauber nicht rier“ bevorzugte, der „auch in Zukunft seine
entwickelt und produzierte ihn im Werk Ulm. direkt über der Vorderachse, weshalb sich Stöße Freunde haben dürfte“. So kam es allerdings
Ein Stück Italien fuhr im Testwagen aller- und Schläge auf schlechten Straßen im Rahmen nicht, 1992 stellte Iveco die Produktion ein. JB
dings auch mit. Denn anstatt eines luftgekühlten hielten – trotz massiver Blattfedern an Vorder- und
Deutz-Motors sorgte hier ein moderneres, was- Hinterachse und der starr verschraubten Kabine. Sie waren früher auch mit einem Iveco-Hauber auf
sergekühltes Fiat-Aggregat für Vortrieb. Und Umso erstaunlicher, weil Komfort im 190-30 Tour? Dann schicken Sie Ihre Fotos, Erinnerungen
dank seiner Turbo-Aufladung gefiel der 305 PS NT ansonsten ein Fremdwort war. Verwöhnten oder Meinung an: trucker@springer.com
starke und 13,8 Liter große Reihensechszylinder die Iveco-Frontlenker 1989 längst mit ergono-
26 Trucker 1/2017