Page 26 - Haftung für Gefahrguttransporte in Europa : zur außervertraglichen Haftung für Gefahrguttransporte zu Lande, zu Wasser und mit Luftfahrzeugen by
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2 1. Teil: Einleitung
Schienengüterverkehr 2 , Binnenschifffahrt 3 , Seeschifffahrt 4 und Luftfrachtver-
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kehr 5 zu verzeichnen.
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Von diesem konstanten Wachstum sind insbesondere auch Gefahrguttransporte
betroffen, denn Gefahrgüter werden zu einem nicht unerheblichen Teil in der
Industrie der hoch entwickelten europäischen Volkswirtschaften sowie für die
Grundversorgung der Bevölkerung mit Energie (Benzin, Diesel, Heizöl etc.) be-
nötigt und sind daher unvermeidlich. 6 Im Auftrag des Bundesministeriums für
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Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) hat die Projektgruppe „Nationa-
les Lagebild Gefahrgut“ im Jahre 2005 das 5. Lagebild Gefahrgut vorgelegt, wel-
ches Aufschluss über die beförderte Gefahrgutmenge in Deutschland gibt. 7 Da-
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nach wurden im Jahre 2002 insgesamt ca. 291,7 Millionen Tonnen (Mio.t) Ge-
fahrgüter transportiert, wovon die größte Menge auf den Straßenverkehr mit
126 Mio.t entfiel. 8 Im Seeverkehr belief sich die beförderte Gefahrgutmenge auf
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66,8 Mio.t, im Binnenschiffsverkehr auf 50,8 Mio.t, dicht gefolgt vom Eisenbahn-
verkehr mit 48,1 Mio.t. 9 Die auf dem Luftfrachtweg beförderte Gefahrgutmenge
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ist dagegen sehr gering. 1
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Hinsichtlich des Anteils der beförderten Gefahrgutmenge am jeweiligen Ge-
samttransport bezogen auf das Jahr 2002 steht die Seeschifffahrt mit 27,5 % an
erster Stelle, gefolgt von der Binnenschifffahrt mit 21,9 %. 1 Für den Eisenbahn-
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verkehr betrug dieser Anteil der transportierten Gefahrgüter 16,9 %, beim Stra-
ßengüterverkehr waren es dagegen nur 4,63 %. 1
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Dieser insgesamt doch beachtliche Anteil an Gefahrguttransporten ist dadurch
bedingt, dass in unserer industrialisierten und arbeitsteilig organisierten Wirtschaft
die Herstellung, Weiterverarbeitung, Lagerung und schließlich die Lieferung an die
Endverbraucher meist an unterschiedlichen Orten gelegen sind und daher lange
Transportwege erfordern. Insbesondere die häufig längeren grenzüberschreiten-
den Transportwege bergen jedoch die Gefahr von Unfällen, welche bei Gefahr-
guttransporten in der Regel schwerwiegendere Folgen als bei gewöhnlichen Gü-
3 379.827 Mio. tkm innerhalb der Europäischen Union (25 Länder) im Jahr 2005.
4 128.475 Mio. tkm innerhalb der Europäischen Union (25 Länder) im Jahr 2005.
5 3,6 Milliarden Tonnen in allen Häfen der Europäischen Union (25 Länder) umgeschlagene Güter
im Jahr 2005.
6 11 Millionen Tonnen innerhalb der Europäischen Union (25 Länder) im Jahr 2005 beförderte
Güter.
7 Vgl. http://www.icao.int/eshop/pub/anx_info/an18_info_en.pdf (Stand: 08.08.2010).
8 http://www.bag.bund.de/cln_010/nn_46266/SharedDocs/Publikationen/DE/LagebildGefahrgu
t05,templteId=raw,property=publicationFile.pdf/LagebildGefahrgut05.pdf (Stand: 08.08.2010),
im Folgenden zitiert als „5. Lagebild Gefahrgut“.
9 5. Lagebild Gefahrgut, S. 6 und 41 f.
10 5. Lagebild Gefahrgut, S. 6 und 42.
11 Der Anteil des Luftverkehrs am gesamten Gefahrgutaufkommen belief sich im Jahre 1990 auf
lediglich 0,01 %, Müller-Kästner/Waldowski, Gefahrguttransporte der Verkehrsträger, S. 30.
12 5. Lagebild Gefahrgut, S. 6.
13 5. Lagebild Gefahrgut, S. 42.