Page 39 - Die Seuche
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für sie von Bedeutung. So verwunderte es die Bevölkerung nicht wenig, als nach der Öffnung
des Gitters ein Herold heraustrat und in einem lauten Tone, obgleich niemand auf den Straßen
zu sehen war, verlauten lies, dass diese Feste nun unter der Obacht des Königreichs von
Thronheim stehen würde. Den Bürgern solle nichts geschehen, doch solle vermerkt werden,
wann und ob sie die Burg verlassen durften. Auch wurden in einer kurz andauernden Suche alle
Waffen, sowohl der Gardisten als auch die auffindbaren in dem Privatbesitz der Dorfbewohner
konfisziert. Dies sollte sowohl ihrer als auch der Sicherheit der Besatzer dienen.
So waren nun die Tage vergangen. Die Truppen der Flotte waren zu Teilen wieder zu den
Schiffen zurückgekehrt, welche nun von Zeit zu Zeit Vorräte und Nachschub lieferten. Derweilen
hatte sich der Rest an die Befestigung der Burg gemacht. Zwar waren deren Mauern stark, doch
zu Marethyus Missmut mangelte es besonders an großem Kriegsgerät. Erfreut war er da, als von
Falkensteins Truppen ihm einiges Belagerungsgerät zur Aufrüstung der Burg überließen. Dieser
hatte sein Lager, kurz nach der erfolgreichen Einnahme auf der Jarikswall zugewandten Seite
der abfallenden Bucht zwischen Gras, Sand und Wasser errichtet.
Marethyu und seine Männer waren indes damit beschäftigt, mögliche Schlupflöcher in der
Seeblockade zu erörtern und Lösungen dafür zu finden. Die Besprechungen dauerten lange,
denn ein jener, der zu diesen geladen war, verlangte es danach seiner Meinung Gehör zu
verschaffen und ihrer Ideen waren viele. Als sich der Tag dem Abend näherte, war Marethyu
endlich zufrieden. Ein solider Plan wart ausgearbeitet und die Umsetzung lies nicht lange auf
sich warten.Männer bemannten 2 der 4 nachgezogenen Jagd Karavellen und begannen ihre
erste Wache auf der See, als sich der Tag dem tiefen Schlummer der Nacht näherte.
Nun verschlug es Marethyu wieder in die Gegenwart. Nachdem er sein Kettenhemd, gleichsam
Haube angelegt hatte, ging er, eine kurze Axt an der Seite hängend, zum Pier hinunter. Auf
seinem Weg erblickte er flüchtig die Reiter, welche wie auch an den vergangenen Tagen Kunde
von den Spähposten an der Gabelung der Bucht brachten. Obgleich sie die Stellung kampflos
eingenommen hatten herrschte doch eine greifbare Spannung. Keiner hatte bisher etwas von
den, auf der anderen Seite lagernden Wikingern gehört, geschweige denn von den Elfen, welche
nur einen halben Tagesritt weiter den Fluss hinauf hausten.
Marethyu schüttelte den Kopf um sein Gemüt wieder auf das hier und jetzt zu richten. Er war an
seinem Ziel angekommen. Zu seinem Glück standen wie er es von Falkenstein erbeten hatte
einige schwer und klobig aussehende, scheinbar volle, Fässer bereit und wurden bereits zu
Teilen auf kleine Flöße gehievt und mit aller Vorsichtigkeit eingeladen. Stumm schaute er diesen
Werken einige Zeit zu, bis sein Blick erneut in die Ferne wanderte. Dieses Mal jedoch in die
entgegengesetzte Richtung. Hin zu den weißen Kronen, welche durch die fernen Nebelfetzen,
wie weiße Perlen am Strand im Licht der klaren Sonne schimmerten.
“Ein Jammer um solch ein Juwel, solle die Welt seines doch nicht ärmer werden, wenn doch die
Zeichen und Zeit eine andere wären”