Page 38 - Die Seuche
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16. Sturm im Norden
Ein Horn erklang in der Stille die Marethyu in seinen Träumen umgab. Er schlug die Augen auf
und tatsächlich hatte er sich nicht geirrt. Mehrere Hörner erklangen, manche schienen fern,
andere hingegen halten so laut, dass er kurz verwirrt seine Ohren schütze um einen klaren
Gedanken fassen zu können.
Er brauchte einige Minuten um sich der Ereignisse der letzten beiden Tage wieder gewahr zu
werden.
Wenige Tage, nachdem er mit dem Großteil der Flotte Thronheim verlassen hatte stießen vor
der Meerenge Thronheims seine eigenen Truppen unter Bowen Graufels und seiner Frau zu
ihm. Gemeinsam und in einer nicht enden wollenden Abfolge von geschriehenen Befehlen und
Warnrufen, durchquerten sie diese von ihm so verhasste Passage. Einige Schiffe striffen die
rauen Klippen, doch keines nahm ernst zu nehmenden Schaden.
Wenige Wegstunden später dann wurde der Befehl zum Ankern von einem Schiff zum anderen
gegeben. Es war früher Morgen. Unter dem Mantel des noch aufsteigenden Tages schwärmten
die Soldaten Thronheims von den Schiffen. Nur wenige wurden zurückgelassen diese zu
bewachen. Erst zu einer späteren Stunde, sollten mehrere Verbände wieder an den Liegeplatz
zurückkehren.
Rasch und ohne Rast bewegt sich das Heer über Land. Nach nur wenigen Stunden war die
Feste Morgenstern genommen. Die Tore, nicht in Erwartung eines solchen Überfalls, standen zu
dieser Zeit bereits offen, denn die Bewohner waren in die umliegenden Wälder ausgegangen,
um ihr Tagewerk zu verrichten.
Nun lag der schwierigere Teil vor ihnen, denn dies sollte nicht die letzte Burg gewesen sein,
welche eingenommen werden musste. Nach einer kurzen Umsicht durch die Feste, sowie
einigen stärkenden Happen zwischen den Zähnen, rückte das Heer wieder aus. Nur ein knappes
Dutzend richtete eine Wache in dem Außenposten Jarikswalls ein.
Wieder vergingen einige anstrengende Stunden. Die Sonne stand nun schon hoch am Himmel
und begann ihren Weg dem Horizont entgegen, als das Heer erneut in der Ferne und zwischen
den Bäumen ein kleines befestigtes Gehöft erblickte. Hinter diesem erstreckten sich massive,
hochragende Mauern einer eindrucksvollen Befestigungsanlage: Der Jarikswacht.
Der Sturm begann, erst schnell, doch je näher sie dem Tor kamen, desto heißer brannte das
Feuer in den Männern. Erst erklangen einige Rufe, dann ein brausendes Getöse, als die
Soldaten durch die Tore des Dorfes stürmten. Erschrockene Gestalten verschwanden wieder in
ihren halb geöffneten Türen und von einem Turm löste sich ein Schwarm von Raben.
Doch ihr Ziel war noch nicht erreicht. Nicht anders als sie es erwartet hatten, war ihre Ankunft
nicht unbemerkt geblieben und so hatte die handvoll bewaffneter Milizen in ihrer Panik das große
Fallgitter der Burg geschlossen.
Erst später begriff Marethyu, dass der Lärm, welchen die Männer beim euphorischen Stürmen
des Dorfes verursacht hatten, ihnen sehr behilflich geworden war. Denn auch wenn zu Beginn ihr
Plan gewesen war die Tore mit Gewalt zu erstürmen, so hatten sie nicht vollends auf ihn
vertraut. Auf der abgewandten Seite wurden zur eben derselben Zeit Belagerung Leitern an die
abweisenden Mauern gestellt. Ein Glück für jeden Milizen, denn sie befanden sich zu dieser Zeit
alle am Haupttor und so erfuhren sie nur einen großen Schrecken, als die Belagerer nach kurzer
Zeit ebenfalls hinter ihnen auf den Wehrgängen erschienen. Doch Gnade wurde walten
gelassen, denn kein Soldat Thronheims oder sonst eines seiner treu ergebenen Städte war in
diese Lande gekommen um der Bevölkerung Leid zuzufügen. Einzig die strategische Lage war