Page 41 - Die Seuche
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Ein bärtiger Riese mit wilden Augen und einer blutverschmierten Axt steht in der
Tür und beginnt Sunkelch anzuschreien. „Entschuldigen sie, der Herr, aber niemand
hat sie darum gebeten einzutreten.“ beginnt Sunkelch dem Jomswikinger empört zu
erklären. Dieser hört etwas verdutzt für einen Moment auf zu schreien und blickt den
zwergischen Maester an als wäre er ein fliegendes Schwein. „Dieses Gebäude steht
bis auf weiteres nach Erlass der Fürstin unter meiner Verwaltung und ich sehe nicht
ein, dass sie, werter Herr, es sich anmaßen mein Hausrecht hier zu brechen ! Von der
Sachbeschädigung die sie angerichtet haben ganz zu schweigen, das war eine
Mahagonitür, was meinen sie was diese Schmuckstücke wert…“ Der Jomswikinger
hat sich wieder gefangen, hebt seine Axt und beginnt mit einem markerschütternden
Schrei auf Sunkelchs Ohrensessel zu zulaufen. Ein schwarzer Blitz durchzuckt den
Raum und die Axtklinge des Jomswikingers fällt scheppernd vor Sunkelchs Stiefeln
zu Boden. In den Augen des Riesen entdeckt der Maester nichts als Entsetzen, dann
nur noch Leere. Die Brust des Winkingers fällt abgetrennt mitsamt Kopf und
Schultern vom Rest seines Körpers hinunter und spritzt Blut, sowie Körpersäfte über
die Wände des Raumes, Kregurs Bart und Sunkelchs Zeitung. Kregur steht hinter der
zerteilten Leiche des Jomswikingers und wiegt sein Schattenstahlschwert in der
Hand. „Is wieder scharf.“ merkt der hünenhafte Zwerg an.
„Ach Kregur, muss das denn sein ?“ Sunkelch klingt genervt. „Sieh dir mal die
Zeitung an, so kann ich doch nicht weiterlesen. Außerdem hat der Herr hier mir
meine Frage nicht mehr beantworten können. Obgleich dem Herren hier die gemeine
Etikette in keinem Fall bekannt ist, geht das doch zivilisierter.“ Sunkelch betrachtet
seine durchnässte Zeitung und blickt dann vorwurfsvoll zu seiner Leibwache. „Ja,
Maester.“ antwortet Kregur, wie sonst meist auch. „Ob dieser Herr hier wohl etwas
mit diesem Ohrenbetäubenden Lärm da draußen zu tun hat ?“ denkt Sunkelch laut
nach. „Komm, Kregur, wir werden nachsehen gehen. Lesen kann ich das hier
ohnehin nicht mehr.“
Die beiden Zwerge verlassen das Haus und stoßen draußen auf eine brennende,
vollkommen verwüstete Gasse. Leichen liegen in Lachen von Blut und Gedärmen
überall auf der Erde herum, in Richtung des großen Platzes ist der Lärm einer
Schlacht zu hören. Der Maester sieht sich die Leichen interessiert an. „Na so etwas
aber auch.. Das interessiert mich.“ merkt er fröhlich ohne jegliche Spur von Mitleid
an. So schlendern die beiden Zwerge seelenruhig in Richtung des großen Platzes mit
dem Brunnen, nur um eine tobende Schlacht vorzufinden. Ein Soldat Osbarns rennt
mit wildem Kampfgeschrei und erhobenem Streitkolben auf Sunkelch zu, woraufhin
Kregurs Klinge ihn mitsamt Rüstung zerteilt und er scheppernd tot zu Boden fällt.
„Maester… Auf wessen Seite kämpfen wir denn eigentlich ?“ fragt Kregur mit tiefer,
dumpfer Stimme. Sunkelch setzt sich auf eine niedrige Mauer. „Kregur, Kregur,
Kregur…“ Ein Pfeil fliegt direkt auf Sunkelchs Gesicht zu, Kregurs Hand schnellt vor
und fängt das Geschoss in der Luft- Es scheint als hätte der Zwerg unnatürlich
schnelle Reflexe. „Wie oft habe ich dir schon erklärt, nein, versucht zu erklären, dass
in Schlachten die uns nicht angehen immer gewartet wird bis der Sieger so gut wie
fest steht ?“ Sunkelch sieht den Hünen streng an. „Oft genug.“ beantwortet er seine
Frage selbst. „Also warten wir ?“ fragt Kregur und rammt beiläufig einem
Anstürmenden Jarikswaller Soldaten sein Schwert in den Bauch. „Ja, Kregur, wir
warten.“ seufzt Sunkelch und beobachtet die Schlacht weiter aufmerksam.