Page 637 - Atlas der Schöpfung 3
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Harun Yahya
Undurchdacht und vorurteilsbeladen, wie er war, vertrat Galton noch weitergehende waghalsige Thesen.
Zum Beispiel forderte er, dass alle Individuen einer Gesellschaft mit zu geringer Intelligenz daran gehindert wer-
den sollten, sich zu vermehren, während man die Intelligenteren dazu ermuntern solle - all das, um den
gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern. Andernfalls käme es zum gesellschaftlichen Kollaps. Offensichtlich ist
es in Wirklichkeit genau umgekehrt: Zu einem gesellschaftlichen Kollaps kommt es nämlich genau dann, wenn
die Forderung Galtons und seinesgleichen verwirklicht werden. Denn sie laufen hinaus auf Massaker, Gewalt
und Krieg. In einem Vortrag am Huxley Institute im Jahr 1901 behauptete Galton: “Das Denkvermögen unserer
Nation liegt in unseren höheren gesellschaftlichen Klassen.“ 111 Keineswegs überraschend forderte er deshalb,
dass Kinder aus diesen Klassen identifiziert und ihre Familien für sie mit 1000 Pfund belohnt werden sollten.
Weiter schlug er vor, dass Frauen aus der Oberschicht mindestens eine weitere Tochter und einen weiteren Sohn
gebären sollten. 112
Galtons Überzeugung, dass eine Vergrößerung der Oberschicht zu sozialem Fortschritt führen würde, war
unlogisch und unwissenschaftlich. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die dies bewirken. Die wichtigsten sind
jene moralischen Werte und Tugenden, mit denen die Gesellschaft wirklich aufwächst und lebt. Nur eine
Gesellschaft, deren Mitglieder über klare moralische Werte und Tugenden verfügen, wird sich schnell und dauer-
haft entwickeln. Derartiges ist jedoch nicht genetisch übertragbar. Wenn jemand möchte, dass sich seine
Gesellschaft nach vorn entwickelt, muss er seine Aufmerksamkeit der geistigen Stärkung der Individuen widmen
und zwar durch verschiedene kulturelle und erzieherische Maßnahmen. Galton und seinesgleichen jedoch woll-
ten die Anzahl der Reichen steigern und jene der Armen senken, indem sie menschliche Wesen buchstäblich als
Tiere behandelten in all jenen Ländern, wo sie Einfluss hatten. Dabei schreckten sie nicht zurück vor
entsprechend begründeten Morden und unvorstellbarer Grausamkeit und unbeschreiblicher Ignoranz.
Auf Galtons Vorschlag hin begann die Verwirklichung der Eugenik in Großbritannien mit der
Geburtenkontrolle. Diese Maßnahme zielte jedoch ausschließlich ab auf Angehörige der sozialen Unterschicht
und Angehörige der angeblich minderwertigen Rassen.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts galt die Tatsache, dass die Größe der Unterschicht stieg,
während die der Oberschicht sank, als Bedrohung. Im Jahr 1925 schrieb deshalb Julian Huxley im Magazin
Nature:
“Der Anteil der Erwünschten sinkt, der Anteil der Unerwünschten steigt. Wir müssen diese Situation in den Griff
bekommen.“ 113
Den Eugenikern zufolge war der erste Schritt, um ein Galton macht eine unlogische und er-
Gleichgewicht zwischen “Erwünschten“ und folglose Studie, um die allgemeinen
“Unerwünschten“ herzustellen, die sogenannte genetischen Merkmale von Kriminellen
auf Grund von Fingerabdrücken und
Rassenhygiene. Zunächst ging es darum, zu
Gesichtsform festzustellen.
definieren, wo Rassenhygiene angebracht war und
wo nicht. Es wurde dabei zu schier unglaublichen
Kriterien gegriffen. In Großbritannien und den
USA begann man damit, die Schädelgröße zu ver-
messen. Unter Galtons Federführung versuchte
man daraus auf den Intelligenzgrad der
Betroffenen zu schließen. Wie spätere wis-
senschaftliche Forschungen jedoch ergeben haben,
besteht keinerlei Zusammenhang zwischen
Schädelgröße und Intelligenzgrad.
Im Anschluss an diese
Schädelvermessungen begann man
damit, Intelligenztests einzuführen. Je
nach Ergebnis wurde entschieden, ob die
betreffenden Personen sterilisiert oder
unter lebenslange staatliche Aufsicht
gestellt werden sollen. Es dauerte jedoch
einige Zeit, bis man feststellen musste, dass
Adnan Oktar 635