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bekannt, dass er Schallmeyers barbarische Ideen vorbehaltlos unterstütze. Er selbst schlug sogar vor, in Kriegszeiten
                  rassisch minderwertige Soldaten in die vorderste Frontlinie zu stellen, um so die rassisch reinen Soldaten zu scho-
                  nen. Dadurch würde eine Schwächung des rassisch reinen Teils des “Volksganzen“ verhindert. Er ging sogar noch
                  weiter, indem er vorschlug, bei jeder Geburt sollten Ärzte begutachten, ob das Neugeborene “geeignet“ genug sei,
                  um zu überleben. Ansonsten solle es getötet werden.       122
                       Derart grauenvolle Vorschläge waren nur die ersten Schritte der Eugenik in Deutschland, noch ehe die Nazis an
                  die Macht kamen. Am 14. Juli 1933, vier Monate nach den Reichstagswahlen, die die Nazis an die Macht spülten, be-

                  gann der Siegeszug der Eugenik und der Bewegung der "geistigen Hygiene“ in Deutschland. Bis zu diesem Tag war
                  die Zwangssterilisation gesetzlich noch verboten, wenngleich illegal häufig praktiziert. An diesem Tag jedoch
                  wurde sie offiziell erlaubt durch das Gesetz zur Vermeidung von Erbkrankheiten in der Nachkommenschaft, kurz
                  Sterilisationsgesetz genannt. Architekt dieses Gesetzeswerks war Ernst Rüdin, Professor für Psychiatrie an der
                  Universität München und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes veröf-
                  fentlichte Rüdin, zusammen mit Nazijuristen und Experten dazu auch einen Gesetzeskommentar. Dessen
                  Kernaussage war, die Nation von “rassisch unreinen und unerwünschten Elementen“ zu säubern, um dem Ideal des
                  rassisch reinen Ariers näher zu kommen.
                       Hilflose und schutzbedürftige Menschen einer so unmenschlichen Praxis wie der Eugenik zu unterwerfen, kann

                  nur jenen einfallen, die den Täuschungen des Sozialdarwinismus verfallen sind. Denn all diesen Menschen muss
                  wegen ihrer Schwäche und Krankheit geholfen werden. Die Nazis jedoch behandelten sie, wie es ihnen passte und
                  richteten Gräuel unter ihnen an, solange sie an der Macht waren.
                       Gemäß dem schrecklichen Gesetz, das seit diesem Tag in Nazideutschland Geltung hatte, konnte eine
                  Sterilisation auch gegen den Willen des Betroffenen durchgeführt werden. Ein niedergelassener Arzt durfte, notfalls
                  mit Polizeigewalt, ganz legal eine Sterilisation vornehmen. In seinem Buch Into the Darkness: Nazi Germany Today hat
                  der nazifreundliche Amerikaner Lothrop Stoddard seine Eindrücke von der angewandten Eugenik während seiner

                  Deutschlandreise wiedergegeben. Ein Beamter der Tuberkulose-Abteilung des staatlichen Gesundheitsamtes sagte
                  Stoddard Folgendes:
                       “Welche Behandlung ein Tuberkulose-Patient erfährt, hängt teilweise von seinem sozialen Wert ab. Wenn er ein
                       wertvoller Staatsbürger und heilbar ist, wird nicht an den Kosten gespart. Falls er erwiesenermaßen unheilbar ist ...
                       wird nichts mehr unternommen, um sein Leben zu verlängern, weil das sowohl nicht in seinem eigenen wie auch

                       nicht im Interesse der Gesellschaft liegt. Deutschland kann nur eine bestimmte Anzahl von Menschen innerhalb
                       eines bestimmten Zeitraums ernähren. Wir Nationalsozialisten sind verpflichtet, nur Individuen mit sozialem und
                       biologischem Wert zu fördern.“   123

                       Gemäß den moralischen Werten des Islam hingegen haben alle Menschen Anspruch auf ärztliche Fürsorge.
                  Menschen dem Tod zu überlassen, weil sie nicht wohlhabend genug sind oder krank sind, ist nichts anderes als
                  Mord, und wenn dies planmäßig und systematisch geschieht, ist es Massenmord.
                       Der Anwendungsbereich des Nazi-Sterilisationsgesetzes wurde systematisch ausgeweitet. Am 24. November
                                                                                             1933 wurde proklamiert, dass “gewohn-
                                                                                             heitsmäßige Verletzer der öffentlichen Moral“
                                                                                             zwangssterilisiert werden müssten. In den fol-
                                                                                             genden Jahren zeigte sich, dass die schreck-
                                                                                             lichen Pläne der Nazis sich keineswegs nur auf

                                                                                             Zwangssterilisationen beschränkten.















                                                                                            Beispiele von eugenische Studien des Kaiser Wilhelm
                                                                                            Institutes.








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