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Das T4-Programm galt als “Geheime Reichssache“,
und alle damit befassten Personen mussten darüber
Stillschweigen bewahren. Einer der Gründe, warum
tatsächlich damals wenig über das Euthanasie-
Programm bekannt wurde, war die Tatsache, dass alle
dabei Mitwirkenden später an die gefährlichsten
Frontabschnitte versetzt wurden, zum Beispiel nach
Jugoslawien, weil die dort kämpfenden Partisanen in
der Regel keine Gefangenen machten. Die meisten
Augenzeugen der Euthanasie-Kampagne sind an der
jugoslawischen Front gefallen.
In seinem Buch Fundamental Outline of Racial
Hygiene (Grundlegung der Rassenhygiene) sprach
Alfred Ploetz als einer der ersten vom Töten der
Kranken und Behinderten. Ploetz zufolge war es ein
schwerer Fehler aus Sicht der Erhaltung der
Rassenreinheit, Kranke und Schwache zu schützen und
sich um sie zu sorgen - also das zu tun, was in einer
gesunden Gesellschaft selbstverständlich ist.
Stattdessen plädierte Ploetz für deren physische
Ausmerzung. Seine Unmenschlichkeit ging so weit,
dass er sogar forderte, dass krank oder behindert zur
Welt kommende Neugeborene von dabei anwesenden
Ärzten sofort durch eine Dosis Morphium getötet wer-
den sollten.
Aber es gab noch andere in den Fußstapfen eines
Ploetz. Schon 1922 hatten der Jurist Karl Binding und
Eine Karikatur aus 1945 zeigte, wie alle Vorhaben von Hitler in
der Psychiater Alfred Hoche ein Buch veröffentlicht mit
Tod und Grausamkeit endeten.
dem Titel The Release of the Destruction of Life Devoid of
Value (Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens). In diesem Buch vertraten sie die Auffassung, dass Kranke
und Behinderte sich selbst und der Gesellschaft nur eine Last seien. Sie zu töten, sei deshalb kein großer Verlust, im
Gegenteil: Die Kosten für die Lebenserhaltung dieser “nutzlosen“ Menschen seien unverhältnismäßig hoch, we-
shalb es besser sei, wenn der Staat diese Gelder irgendwo anders produktiv investieren würde. Als Lösung schlugen
sie vor, die physisch und geistig Kranken zu töten und zu diesem Zweck religiöse und gesetzliche Vorschriften zu
lockern oder aufzuheben. 126 Eines von Hoches aberwitzigen Argumenten war, dass ohnehin moralische Werte hin-
sichtlich des Schutzes menschlichen Lebens schon bald verschwinden würden und die Ausmerzung “lebensun-
werten Lebens“ eine Selbstverständlichkeit werden würde. 127
Um eine klare Vorstellung davon zu bekommen, wie unvorstellbar grausam solche “Empfehlungen“ sind,
braucht man sich nur vorzustellen, selbst in einer Gesellschaft zu leben, wo Derartiges praktiziert wird. Was wäre,
wenn Ihre taube Schwester, Ihre blinde Mutter, Ihr geistig verwirrter Großvater, Ihre gelähmte Großmutter, ihr alt-
gewordener Vater vor Ihren Augen abtransportiert werden würden, um getötet zu werden - im Namen der
Wissenschaft und zum Wohl der Gesellschaft? Gewiss würden Sie keiner Wissenschaft zugestehen, Menschen zu
töten, die Sie lieben. Sie würden sofort erkennen, dass ein solches Vorhaben nur die Ausgeburt kranker Gehirne sein
kann. Eine derartige Barbarei würde unbeschreibliches Leid über Sie bringen und jeden, den Sie kennen. Aber den-
noch ist so etwas geschehen, vor allem in Nazideutschland, aber auch in anderen Ländern. Diese Morde im Namen
der Pseudowissenschaft Eugenik haben tiefe Wunden im Gewissen der Menschheit hinterlassen.
Die Anstrengungen der Evolutionisten, diese Gräuel zu übersehen oder zu verdrängen, sind zum Scheitern
verurteilt. Was auch immer sie unternehmen, um sie zu vertuschen - die Tatsachen bleiben unwiderlegbar. Die
Menschheit hat durch die Thesen des Darwinismus schreckliches Leid erfahren und große Verluste erlitten.
Als sich die barbarische Eugenik in Nazideutschland ausbreitete, verbreitete sie sich auch in anderen Ländern,
vor allem in den USA. 1935 veröffentlichte Dr. Alexis Carrel von Rockefeller Institute sein Buch Man the Unknown
(Der unbekannte Mensch), das in innerhalb von drei Jahren in neun Sprachen übersetzt wurde. In seinem letzten, The
644 Atlas der Schöpfung, Band III