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Harun Yahya
Die Durchführung des T4-Programms
Mitte 1939 wurden die letzten Vorbereitungen für die Umsetzung des Programms getroffen. Im Oktober wur-
den von Beratern und Psychiatern erstellte Fragebögen über Geisteskranke an Krankenhäuser und andere
Institutionen verschickt. Darin ging es um folgende Dinge: Name des Patienten, Stand, Nationalität, Verwandte.
Wird der Patient regelmäßig besucht? Wenn ja, von wem? Wer trägt die Kosten? Wie lange befindet sich der
Patient bereits im Krankenhaus? Wie lange ist der Patient schon krank? Diagnose, Hauptsymptome? Ist der
Patient bettlägrig? Steht der Patient unter Vorbehalt? Wurde der Patient aufgenommen trotz Unheilbarkeit? Ist
der Patient kriegsverletzt? Rassische Zugehörigkeit?
Auch an der Kriegsfont wurden diese Fragebögen verteilt.
Im Rahmen des T4-Programms waren vier Frontgruppen installiert worden, um die Anweisungen des T4-
Hauptquartiers zu verwirklichen, und während der Nachforschungen wurde von ihnen der Ursprungsort der
entsprechenden Maßnahmen geheimgehalten. Wenn ein Krankenhaus oder eine Familie wegen eines
Totenscheins oder der Todesursache nachforschte, war es unmöglich, die Angelegenheit weiter zurückzuverfol-
gen als bis zur Ebene dieser vier Frontgruppen.
Diesen Gruppen zugeordnet war eine weitere Gruppe, deren Mitglieder auf die Tötung von Kindern spezial-
isiert war. Sie trug den Namen “Reichskomitee für den wissenschaftlichen Umgang mit Schwerkranken infolge
von Erbschäden und Veranlagung“ und fungierte als Mutterorganisation von zwei Unterorganisationen:
Der “Wohlfahrtsverein für den Krankentransport“ war zuständig für den Transport der
Patienten zu den Tötungszentren. Die “Wohlfahrtsstiftung für staatliche Fürsorge“
war zuständig für die “Restabwicklung“.
Besonders zynisch war, dass anschließend den Angehörigen der ermordeten
Patienten die Kosten für dieses Verbrechen in Rechnung gestellt wurden, wobei
diese oft gar nicht wussten, dass sie die Ermordung ihrer Verwandten bezahlten.
Die Fragebögen wurden ausgefüllt von den Ärzten und Psychiatern, die jeweils
für die Patienten zuständig waren. Ausgewertet wurden sie von den zuständigen
T4-”Experten“. Keiner der Patienten wurde von ihnen medizinisch begutachtet. Ob
ein Patient getötet wurde oder nicht, wurde ausschließlich anhand der Fragebögen
entschieden.
Zugleich mit der Verschickung der Fragebögen wurde eine Reihe von
Kliniken für Geisteskranke entsprechend dem Bedürfnis nach
Tötungsmöglichkeiten um- oder neugebaut. Die Todeskammern in
diesen Gebäuden wurden als Duschräume getarnt.
Diese
Ermächtigung,
bekannt als der
“Führer-Befehl”,
bevollmächtigte
Nazi-Ärzte, jene
Patienten zu töten,
deren Tod sie für
nötig hielten. Er
begründete die
angebliche
“legale“ Basis für
die von den Nazi-
Ärzten verübten
Verbrechen.