Page 638 - Atlas der Schöpfung 3
P. 638

die Ergebnisse dieser Intelligenztests unzuverlässig waren. Dies war nichts anderes als Ausdruck der mangelhaften
                  wissenschaftlichen Methodik der damaligen Zeit. Faktoren wie Sozialisation und Ausbildung der Probanden wur-
                  den schlicht vernachlässigt. Untersucht wurde nur die direkt abfragbare intellektuelle Leistung. Jedenfalls waren
                  die Ergebnisse dieser Methoden völlig unzureichend, verhinderten aber nicht, dass Arme, Kranke und Schwarze als
                  minderwertig und unterlegen qualifiziert wurden.


                       Eugenik in den USA


                       Nach dem Tod Galtons verlagerte sich das Zentrum der Eugeniker in die USA. Die bekanntesten Erben Galtons
                  wurden Henry Goddard, Henry Fairfield Osborn, Harry Laughlin und Madison Grant.
                       Ganz oben auf der Liste der Eugenik-Unterstützer in den USA standen das Rockefeller Institute und die
                  Carnegie Foundation. Das Rockefeller Institute finanzierte wiederum das Kaiser-Wilhelm-Institut, das in
                  Deutschland federführend in der Eugenik-Forschung war und 1920 sogar ein eigenes Gebäude für die

                  Forschungsarbeit von Professor Ernst Rüdin baute, einem besonders hartnäckigen Anhänger der Rassenhygiene.
                  Auch das Mental Hygiene Movement in den USA wurde finanziell massiv vom Rockefeller Institute unterstützt.
                  Selbst der Nobelpreisträger Alexis Carrel am Rockefeller Institute applaudierte erfreut zu den Schandtaten der
                  deutschen Eugeniker und hatte keine Einwände gegen die Massenmorde an Geisteskranken und
                  Gefängnisinsassen.   114
                       Der Einfluss der Eugeniker führte zur Verabschiedung von Zwangssterilisationsgesetzen in einer ganzen Reihe
                  amerikanischer Bundesstaaten. Insgesamt 100.000 Menschen wurden, meist gegen ihren eigenen Willen,
                  zwangssterilisiert. Dafür möge ein Beispiel genügen: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden allein im Bundesstaat
                  Virginia 8000 “ungeeignete“ Personen zwangssterilisiert. In manchen Bundesstaaten wurde die Zwangssterilisation

                  bis 1974 praktiziert. 115
                       Einer der führenden amerikanischen Eugeniker war Charles B. Davenport, bekannt als Verfasser von Artikeln,
                  in denen die Verbindung von Darwinismus mit Genforschung propagiert wurde. Doch seine darin formulierten
                  Forderungen stützten sich nur auf neue unhaltbare Thesen. 1906 beharrte er, dass die American Breeders'
                  Association Untersuchungen über Eugenik durchführte. gründete er das Eugenics Record Office (ERO), das bis zu
                  13-29 % seines Budgets bereitstellte für die “Station for Experimental Evolution“ (Station für experimentielle
                  Evolution). Diese Einrichtung war damit finanziell wesentlich besser ausgestattet als so manch andere

                  Forschungseinrichtung dieser Zeit. Es bildete eine ganze Reihe von Propagandisten für die Eugenik aus. Seine
                                                       Studenten wurden zu Spezialisten für die Durchführung und Bewertung von
                                                         Intelligenztests, wie zum Beispiel Stanford-Binet-Test, die in eugenischer Praxis
                                                           häufig benutzt werden.    116
                                                                Die Studenten am ERO waren auch damit beauftragt, in ihrem jeweiligen
                                                            Arbeitsfeld Statistiken anzulegen, mit deren Hilfe das ERO versuchte, seines
                                                           Erachtens nach zum Heiraten und Kinderzeugen ungeeignete Paare an der
                                                           Ehe  zu hindern. 1924 legte das ERO eine Sterilisationsentwurf vor, in dem
                                                           vorgeschlagen wurde, Menschen zu sterilisieren, die verdächtig waren, krank

                                                           zu sein.
                                                                Vor Vernunft und Gewissen ist es nicht zu verantworten, Menschen gegen
                                                           ihren Willen zu sterilisieren. Menschen mit Erbschäden, Krankheiten und kör-
                                                            perlichen und geistigen Behinderungen müssen Zuneigung und Mitleid ent-
                                                            gegengebracht werden. In Gesellschaften, in denen religiöse, moralische
                                                            Werte gelten, werden solche Menschen geschützt und ihre Bedürfnisse so gut
                                                             wie möglich befriedigt. Es ist Barbarei, Menschen zu zwangssterilisieren, nur

                                                             weil Eugeniker glauben, sie verfügten über “kriminelle Energie“. Man kann
                                                             ihnen helfen durch geeignete Kulturprogramme und sie zu nützlichen
                                                             Mitgliedern der Gesellschaft machen. Selbst bei Menschen, denen nur schwer
                                                            zu helfen ist, muss die bestmögliche und ethisch vertretbare Lösung gesucht


                                                              Die Universität von Heidelberg ehrte H. Laughlin, einen prominenten Eugeniker für
                                                              sein Werk über “Die Wissenschaft der Rassenhygiene“. Dieser Zeitungsausschnitt
                                                              zeigt den fraglichen Bericht.




                636 Atlas der Schöpfung, Band  III
   633   634   635   636   637   638   639   640   641   642   643