Page 175 - Soziale Beziehungen, unter die Lupe genommen! 2019
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lichen physischen und psychischen Problemen so viel-
fältig sind. .
Die Eltern
Die Eltern eines behinderten Kindes haben oft
Schuldgefühle und fühlen sich für die Behinderung ihres
Kindes verantwortlich — wie irrational das auch sein
mag. Häufig sind sie auch wütend. Manchmal sehen sie
andere Kinder die »gesund« oder »normal« sind, und
fragen sich: »Warum gerade wir?« Vielfach entwickeln
sie auch Wut auf Gott, den Arzt oder den Partner und auf
das Kind selbst.
Anfänglich können Eltern das Gefühl haben, dass sie
ihr behindertes Baby nicht lieben können. Auf diese Ab-
lehnung folgen jedoch gewöhnlich zwiespältige Gefühle,
die sich schließlich in Liebe wandeln. Wenn Eltern ler-
nen, mit den Vielschichtigkeiten der Pflege umzugehen,
nehmen sie allmählich ihr Kind als einzigartiges Indivi-
duum wahr. Sozialberatung kann den Eltern eines be-
hinderten Kindes helfen, ihre Gefühle zu akzeptieren
und mit ihnen umzugehen.
Manche Eltern zögern, anderen Menschen von der
Behinderung ihres Babys zu erzählen; teils, weil sie kein
Mitleid wollen, und teils, weil sie den Stress, mit den
Emotionen der anderen umgehen zu müssen, vermeiden
wollen. Trotz aller Schwierigkeiten sollte man versu-
chen, offen und mit einer positiven Einstellung in die
Zukunft zu blicken. Das hilft auch der näheren Umge-
bung, emotionale Hemmungen gegenüber den Eltern
und dem betroffenen Kind zu überwinden und die Situa-
tion zu akzeptieren. .
Die Erwartungen der Eltern spielen gewöhnlich eine
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