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schaffungen  vorweisen  konnte.  Die  Männer
             hatten  viel  erlebt  und  die  Arbeit  unter  Tage
             war  hart.  Fast  alle  machte  Überstunden  und

             Schulden.  Je  nach  Veranlagung  der  Partner
             ging  es  in  mancher  Familie  manchmal  ganz

             handfest  zur  Sache.  Da  konnten  auch  schon
             mal Dinge aus dem geschlossenen Fenster flie-
             gen. Jeden Monat gab es zwei kritische Tage.

             Lohn  und  Restlohn  genannt.  Erster  war  die
             normale Lohnauszahlung, zweiter war die Auf-
             rechnung von Schichtzulagen und Mehrarbeit.

             Ausgezahlt wurde bar. In Lohntüte. Gegenüber
             vom Zecheneingang, auf der  gegenüberliegen-
             den Seite der Zechenstraße, gab es eine Gast-

             stätte  mit  dem  Namen  „Berggeist“.    Einige
             Bergmänner konnten dem Zauber dieses Geis-

             tes  nicht  widerstehen.  „Komm  wir  trinken
             noch  ein  Bier,  bevor  wir  heimgehen.“  „Ach
             lass, ich habe noch etwas vor.“ „Hat deine Frau

             die  Hosen  an?  Du  musst  wohl  dein  Geld  zu
             Hause abliefern...“. Da gingen dann schon mal
             die besten Vorsätze verloren. Den Frauen war

             die Anfälligkeit ihrer Gatten wohl bekannt. Die
             Not kein Geld zu haben auch. Schließlich wur-
             den  die  letzten  Einkäufe  vor  Restlohn  immer



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