Page 207 - publication
P. 207
bemessen aber es ging. Kein Badezimmer. Kei-
ne Heizung. Etagentoilette geteilt mit der
Nachbarin Frau Köhler. Wer hatte 1946 schon
ein Badezimmer oder eine eigene Toilette? Die
meisten Familien mussten in den Garten aufs
Plumpsklo gehen. Die Wohnung in der Rudolf-
Virchow-Straße war aber nur eine vorrüberge-
hende Angelegenheit. Nachdem die Rheinstahl
-Siedlung gebaut worden war bekamen wir
dort eine neue moderne Wohnung. Das war
1949.
Neubau in der Arenbergstraße Nr. 28, erste
Etage rechts. Mit Badezimmer, Badewanne
und Heizkessel für Badewasser. Eigene Toilette
im Badezimmer. Sogar ein gemeinsames Kin-
derzimmer für meine Schwester Barbara und
mich gab es. Geheizt wurden die Räume und
der Heizkessel mit Kohle, die es als Deputat für
Zechenangehörige ohne Extrakosten gab. Im
Winter war es am Morgen sehr kalt weil die
Öfen noch nicht an waren. Bei Frost blühten
Eisblumen an den Fensterscheiben. Doppelver-
glasung? Gab es nicht. Einen kleinen Garten
hatten wir hinter dem Haus. Zehn mal zehn
Meter. Genug Platz für zwei Kirschbäume und
207