Page 254 - Für denkende Menschen
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Töne der Farbe “grau” wahr. An dieser Stelle ist es nicht mehr wichtig, ob die
Objekte draußen farbig sind oder nicht.
Der berühmte Denker Berkeley betont diese Tatsache mit folgenden Worten:
Anfangs wurde angenommen, dass die Farben, die Gerüche usw. tatsächlich
bestehen; später aber wurden solche Meinungen abgelehnt, und es wurde gese-
hen, dass diese nur durch unsere Sinne existieren. 26
Zusammengefasst kann man sagen: Wir sehen die Objekte nicht deswegen
farbig, weil sie farbig sind oder draußen eine materielle Existenz haben, denn
alle Eigenschaften, die wir diesen Objekten zuschreiben, befinden sich
nicht in der äußeren Welt, sondern in uns.
Aber was bleibt dann übrig von der “äußeren Welt”?
MUSS DIE AUSSENWELT EXISTIEREN?
Bis jetzt haben wir ständig von einer äußeren Welt und auch von einer Welt
der Wahrnehmungen, die wir sehen und die in unserem Gehirn entsteht,
gesprochen. Aber wir können “äußere Welt” niemals erreichen. Wie können
wir dann wissen, ob diese Welt wirklich existiert oder nicht?
Wir können es nicht wissen. Im Gegenteil, da jedes Objekt nur eine Summe
von Wahrnehmungen ist und da die Wahrnehmungen nur im Verstand beste-
hen, ist die einzige Welt, die existiert, die Welt der Wahrnehmungen. Die
einzige Welt, die wir erkennen, ist die Welt, die in unserem Verstand entwor-
fen, gefärbt und vertont wird. Die einzige Welt, deren Existenz wir sicher sein
können, ist diese Welt.
Wir können nie beweisen, dass die Wahrnehmungen, die wir uns in
unserem Gehirn ansehen, materielle “Gegenstücke” haben. Es ist durchaus
möglich, dass diese Wahrnehmungen von einer künstlich hergestellten Quelle
verursacht werden.
Dies können wir mit folgendem Beispiel in unserem Verstand darstellen:
Nehmen wir an, man hätte unser Gehirn von unserem Körper getrennt und
würde es in einem Glasgefäß künstlich am Leben erhalten. Weiterhin nehmen
wir an, man hätte daneben einen Computer gestellt, der im Stande ist, alle not-
wendigen Signale zu erzeugen. Dieser Computer soll nun die elektrischen Sig-
nale der Daten wie Geruch, Erscheinung und Schall, die irgendeinem Ort zuge-
hörig sind, erzeugen und speichern. Jetzt verbinden wir diesen Computer mit
Hilfe elektrischer Kabel mit den Wahrnehmungszentren im Gehirn und senden
elektrische Signale zum Gehirn. Immer wenn unser Gehirn diese Signale
wahrnimmt, wird es, besser gesagt werden “wir” den Ort sehen und erleben,
dessen “Gegenwert” diese Signale entsprechen.
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