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Raum entwickeln, umbau lenken | 35
Drei Fragen an ...
Vera Rottes
Sie haben fast 13 Jahre lang die Entwicklung der neuen bahnstadt
opladen verantwortet. Was waren aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren?
Die Stadt Leverkusen hat 2008 eine Gesellschaft, die neue bahnstadt opladen
GmbH, zur Umsetzung des Projekts gegründet. Neben den erfahrenen Verwal-
tungsmitarbeiterInnen wurden externe Fachleute eingestellt, so dass ein interdis-
ziplinäres Team engagiert die Aufgabe bis heute wahrnehmen kann. Ein frakti-
onsübergreifend besetzter Aufsichtsrat sorgte auch in schwierigen Fragen für die
politische Akzeptanz. So wurden und werden wichtige Entscheidungen zeitnah
möglich und in der Regel einstimmig gefasst. Als „Regionale 2010“-Projekt
genossen wir eine hohe Prioritätensetzung bei den beteiligten Landesministerien,
insbesondere dem Städtebauministerium mit den Dienststellen der Bezirksregie-
rung Köln. Damit verbunden war eine sehr verlässliche fachliche Beratung und
zeitnahe Förderung des Projekts mit Bundes- und Landesmitteln. Das Projekt
stand vor der großen Herausforderung, den Menschen nach der Werksschlie-
ßung und dem Verlust der Arbeitsplätze eine neue Perspektive zu geben. Dieses
konnte nur durch eine intensive Einbeziehung der Opladener in den Planungs-
und Bauprozess gelingen. Die Bevölkerung stand infolge über die ganzen Jahre vera rottes
zustimmend hinter dem Projekt. Ehemalige Geschäftsführerin
neuen bahnstadt opladen GmbH
Von Beginn an hat die Entwicklung der neuen bahnstadt opladen in
einem regionalen Kontext stattgefunden. Welche Vorteile ergeben sich
dadurch für ein solches Stadtentwicklungsprojekt?
Der Stadtumbauprozess erforderte neue Strategien der Entwicklung, womit
in Leverkusen „Neuland“ beschritten wurde. Das betraf insbesondere die
Anwendung des besonderen Städtebaurechts und die Vermarktungsstrategi-
en, abweichend von der Alltagspraxis der Verwaltung mit Höchstgeboten und
Bauträgermodellen. Letztendlich hat der regionale Kommunikationsprozess über
Förderwege und Finanzierungen bis zu Detailfragen wie der Umsatzsteuer-
problematik eine kommunale Stärkung und Absicherung der Projekte befördert.
Darüber hinaus gab die regionale Kooperation wesentliche Strukturimpulse:
Paradebeispiel hierfür ist der Campus Leverkusen. Zahlreiche Unternehmen,
Kommunen und Institutionen der Region ermöglichten die Ansiedlung der
naturwissenschaftlichen Fakultät der TH Köln in der Bahnstadt – ein Meilen-
stein für die Stadtentwicklung. Die „Regionale 2010“-Agentur und in der Folge
der Region Köln/Bonn e. V. unterstützt das Projekt seit 2003 durch fachliche
Beratung und die Förderung von regionalem Austausch.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die noch verbleibenden Ent-
wicklungsabschnitte und projekte?
In einem beispielhaften Vermarktungsverfahren unter Einbezug der Bevölke-
rung wurde für eine zentrale Entwicklungsfläche am Bahnhof Opladen das
Architektur- und Nutzungskonzept eines Investors ausgewählt. Damit besteht
die Chance, die entscheidende Verbindung zwischen der Ost- und der Westseite
des Projektes herzustellen und das Zentrum von Opladen zu stärken. Corona-
bedingt steht das Konzept hinsichtlich der Realisierung nunmehr auf dem
Prüfstand. Es gilt, die konzeptionelle Mischung aus Wohnen, Dienstleistungen,
Gastronomie und Einzelhandel beizubehalten, jedoch die spezifischen Auswir-
kungen der Pandemie insbesondere auf den Einzelhandel konkret zu erfassen
und das Konzept entsprechend zu modifizieren. www.neue-bahnstadt-opladen.de