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sehr langen Aufenthaltszeiten an den Poststa-
                       tionen,  selten  standen  Pferde  zum  Wechsel
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                       zuspannen waren und ob bei nur zwei Pferden
                       der Fahrpreis gerechtfertigt wäre. Die Kutscher

                       waren grobe Kerle und wenn es ihnen zu bunt
                       wurde verweigerten sie den aufmüpfigen Rei-
                       senden  die  Weiterfahrt.  Ich  war  froh  als  wir

                       Militsch  erreichten.  Alle  meine  Glieder
                       schmerzten von der Rüttelei auf den schlech-
                       ten Straßen und ich beschloss ein Zimmer für

                       die  Nacht  zu  nehmen  und  wenn  möglich  ein
                       ausgiebiges Bad. Militsch war größer als Moh-
                       rungen und  beeindruckte mich, doch für eine

                       Erkundung fehlte mir die Kraft, nach dem Bad
                       war ich müde, ging früh zu Bett und schlief ein

                       kaum dass ich lag. Das Frühstück am nächsten
                       Tag  war  reichhaltig  und  ich  kostete  das erste
                       Mal  in  meinem  Leben  Kaffee.  Er  schmeckte

                       bitter und erst als ich auf Anraten der Bedie-
                       nung  Zucker  und  Milch  hinzufügte  erschloss
                       sich mir das das aromatische Getränk auf an-

                       genehme Weise. Noch erstaunt über seine be-
                       lebende  Wirkung  ging  ich  zur  Reception  und
                       fragte wie ich zu Fuß nach Breslau käme und



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