Page 46 - Was will Gott_Neat
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sam sind, sondern sie auch in Ehren halten wie ihre
eigenen Väter und Mütter und alles tun, was sie können
und was man von ihnen haben will; nicht mit Zwang
und Widerwillen, sondern mit Lust und Freude eben
wegen zuvor gesagter Gründe, dass es Gottes Gebot ist
und ihm vor allen andern Werken gefällt. Deshalb soll-
ten sie noch etwas zu ihrem eigenen Lohn dazulegen
und froh werden, dass sie Herren und Herrinnen be-
kommen, ein fröhliches Gewissen sollen sie haben und
wissen, wie sie für rechte goldene Werke tun sollten.
Bisher wurde es verachtet, dafür ist jedermann in des
Teufels Namen in Klöster, zu Wallfahrten und zum Ab-
lass gelaufen mit Schaden und bösem Gewissen. Wenn
man das dem einfachen Volk klar machen könnte, so
würde eine Magd schnell laufen, Gott loben und dan-
ken, weil sie mit ihrer guten Arbeit, für die sie Nahrung
und Lohn empfängt, gleichzeitig einen solchen Schatz
bekommt, den niemand von denen hat, die man sonst
für die heiligsten hält. Ist das nicht ein vortrefflicher
Ruhm, das zu wissen und sagen zu können: „Wenn du
deine tägliche Hausarbeit tust, ist es besser, als alle Hei-
ligkeit der Mönche und alles strenge Leben?“ Und au-
ßerdem hast du noch die Zusage, dass es dir alles Gute
bringen und es dir gut ergehen soll. Kannst du seliger
sein oder heiliger leben, als wenn du tust, was dieses
Gebot fordert? Denn vor Gott macht allein der Glau-
be heilig; mit dem Glauben dienen wir ihm allein, mit
unseren Taten aber dienen wir den Mitmenschen. Da
hast du nun alles Gute, allen Schutz und alle Sicherheit
unter deinem Herrn, ein fröhliches Gewissen und einen
gnädigen Gott dazu, der es dir hundertfach vergelten
will. Und so kannst du dich wie ein Edelmann fühlen,
wenn du nur fromm und gehorsam bist. Bist du es aber
nicht, kommt Gottes Zorn und Ungnade über dich und
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