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— Einfluss des Geruchs auf dieAkzeptanz
Warum füttern? Die Anzahl der Geruchszellen ist unterschiedlich je nach
Größe…
DieWissenschaft derTierernährung beschäftigt sich mit der Erforschung von lebensnot-
wendigen Stoffen und ihren Funktionen bei optimalen Gaben für den besten Nutzen desTieres. Labrador 220
Dazu muss man wissen,dass es auf diesem Gebiet täglich neue Erkenntnisse gibt.Deshalb wer- Retriever Millionen
den in jedem Jahr eine Reihe neuer Nahrungen entwickelt,neue Ernährungsformeln,die über
dieVersorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen hinaus den Erhalt eines gesunden Lebens
Deutscher 200
sichern können, indem sie Nahrungsbestandteile einfügen, die es ermöglichen, bestimmte Schäferhund Millionen
Risiken für Erkrankungen zu verhindern und den Organismus besser zu schützen.
147
Fox Terrier
Millionen
Die Entwicklung der Gesundernährung
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Teckel
Seit 30 Jahren haben die großen Hersteller für Der Mensch ist ein Omnivore, ein Allesfresser, Millionen
Tiernahrung einen sehr positiven Einfluss auf die er schätzt den Geschmack, liebt Abwechslung
Lebensbedingungen unserer Hunde genommen: auf seinem Teller und häufig nimmt er daher an,
Man schätzt, dass die Lebenserwartung der dass es seinem Hund gut tut, dessen Bedarf Bulldogge 100
Hunde in den letzten 15 Jahren um durch- ähnlich einzuschätzen. Das ist ein schwerwie- Millionen
schnittlich etwa drei Jahre gestiegen ist. gender Irrtum, denn nach 10.000 Jahren
Domesti-kation unterscheidet sich der Verdau- … und Hunderasse
Über das einfache „Überleben“ hinaus, für wel- ungstrakt eines Hundes immer noch erheblich
ches der minimale Bedarf des Tieres abgedeckt von dem eines Menschen!
werden muss, um sein Leben zu erhalten, sind
wir erstmals von der Fütterung in eine Phase der Als ursprünglich sehr aktives Tier (einige sind
„Ernährung“ eingetreten, die es uns erlaubt, dies glücklicherweise immer noch) deckt der
schönere und aktivere Hunde zu haben. Die Hund seinen Energiebedarf mit Fetten ab und
„Gesundernährung“ hat sich entwickelt, geboren kennt keine menschlichen Probleme, wie einen
aus dem immer tieferen und genaueren Wissen zu hohen Cholesterinspiegel oder dadurch aus-
über die Funktionen des Organismus und dem gelöste Herzerkrankungen; er kann allerdings
Studium der Möglichkeiten der in der Natur an Übergewicht leiden (mit allen schlimmen
vorkommenden Nährstoffe, die dem Hund Folgen), wenn man seinen Bedarf einer ange- Aufgrund der Hautfalten um die Nase, dem kurzen
wohltun. Heutzutage ist es möglich, eine passten Ernährung und Fütterungsmenge nicht Gesichtsschädel und dem zurückstehenden Oberkiefer
Nahrung je nach definiertem Bedarf zu respektiert. (Abbildung rechts) kommt es bei der Bulldogge zu einer
geringeren Luftzufuhr in die oberen Luftwege. Die
entwickeln, bei Krankheiten oder besonderen
Zirkulation der Geruchsmoleküle ist deshalb einge-
Ansprüchen an die Ernährung aufgrund spe- schränkt.
zieller Lebensumstände Mangelsituationen ent-
gegen zu wirken, und dabei neue Besonderheiten
zu berücksichtigen, je nach wissenschaftlichem
Fortschritt. Sind Hunde strikte Fleischfresser (Karnivoren)?
Dieses Wissen wächst täglich und ermöglicht die Hunde sind wir ihr Stammvater, der Wolf, Allerdings sind hier durchaus Grenzen ge-
Entwicklung von Nahrungen, die zu einer vor- Beutetierfresser, allerdings nicht im strik- geben. Der Hund hängt heute mehr als
sorgenden Ernährung werden und, wenn nötig, ten Sinne. Je nach Angebot nehmen sie in früher – meist ausschließlich – von der
bei bestimmten Erkrankungen Teil einer der Natur in mehr oder weniger großer Nahrungsversorgung durch den Menschen
Menge pflanzliches Material auf. Der Hund ab. Damit wächst dessenVerantwortung
Behandlung sein können.
kann sich an unterschiedliche für eine artgerechte Ernährung. Das Tier
Nahrungsarten recht flexibel anpassen. sollte entsprechend seinem Bedarf gefüt-
Aber auf diesem Gebiet lauert eine andere tert werden.Vermenschlichung oder fal-
Gefahr für den Hund: Es handelt sich um die SeinVerdauungstrakt und auch sein sche Tierliebe können zu Fehlernährung
Unkenntnis des Menschen in Verbindung mit Stoffwechsel erlauben somit eine vielsei- und Gesundheitsschäden führen.
seinem Wunsch, es „besonders gut zu machen“ tige Fütterung.
und dann das Tier stark zu vermenschlichen.
Der Hund ist ein Hund, kein strikter Karnivore,
doch sein Ernährungsverhalten ist völlig anders
als unseres. Professor Jürgen Zentek,
Freie Universität Berlin
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